Reihe XIII - Neujahrsblätter - Band 49

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R13B49

ISBN 978-3-86652-049-3

Josef Endres

Hl. Blut in Iphofen
Mit einer Edition des Mirakelbuchs

2007. Festeinband
224 Seiten, 46 Abbildungen

VK 26,80 EUR

 

Die Wallfahrt zum Hl. Blut in Iphofen ist heute nahezu erloschen und ihre siebenhundertjährige Tradition fast völlig vergessen. Im vorliegenden Band wird die wechselvolle Wallfahrts- und Baugeschichte zum ersten Mal aus den Archivalien des Pfarrarchivs erarbeitet.

Den Ausgangspunkt bilden die Legende von einem angeblichen jüdischen Hostienfrevel und der „Rintfleischpogrom“ im Jahr 1298. Auf der Grundlage bisher unbekannter Quellen wird der jüdische Beitrag zur Iphöfer Stadtgeschichte völlig neu bewertet.

Im 18. Jahrhundert blühte die Wallfahrt auf und die Zahl der auswärtigen Pilger, die alljährlich in der Fronleichnamsoktav zum Gnadenbild des Fünfwundenheilands strömten, überstieg die Einwohnerzahl um ein Vielfaches.

Grundlage für die Verlesung der Hl.-Blut-Wunder von der Kanzel war das bislang unbekannte und hier erstmals edierte Mirakelbuch. Zwischen 1674 und 1781 arbeiteten fünf Pfarrer an dieser Handschrift, die anschauliche Einblicke in die vielfältigen Sorgen und Nöte der Votanten, aber auch in die Problematik einer von der katholischen Transsubstantiationslehre geprägten Hl.-Blut-Wallfahrt im konfessionellen Grenzraum bietet.

Abkürzungen

Vorwort

1 Die Juden und der Vorwurf des Hostienfrevels
1.1 Hostienfrevelberichte in Franken
1.1.1 Röttingen: die gestrafte Bosheit
1.1.2 Lauda: das erschrökliche wunder zeichen
1.1.3 Iphofen: mit pfrimmen undt messern durchstochen
1.2 Auseinandersetzung mit den Hostienfrevelberichten
1.3 Jüdisches Leben in Iphofen zwischen Ausweisung und Schutzjudentum

2 Traditionen einer Wallfahrt
2.1 Die konsekrierte Hostie und das Heilige Grab
2.2 Turbulenzen im konfessionellen Zeitalter
2.3 Die Corporis-Christi-Bruderschaft und das Gnadenbild des Fünfwundenheilands
2.4 Barocke Blüte in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts
2.5 Aufklärerische Reglementierungen des Geistlichen Rates in Würzburg
2.6 Die Wallfahrt nach der Säkularisation
2.7 Vom Gnadenbildkult zurück zur Hostienverehrung

3 Baugeschichte einer Wallfahrtskirche
3.1 Die Kapelle zum Heiligen Grab
3.2 Neubau unter Julius Echter
3.3 Umbauten nach dem Dreißigjährigen Krieg
3.4 Erweiterungen im 18. Jahrhundert
3.5 Verfall und Restaurierung nach der Säkularisation
3.6 Umgestaltung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts
3.7 Veränderungen im 20. Jahrhundert

4 Das Iphöfer Mirakelbuch
4.1 Ein Beitrag zur fränkischen Mirakelliteratur
4.2 Die Autoren
4.2.1 Johannes Stumpf (1674–1677)
4.2.2 Johannes Reß (1704–1754)
4.2.3 Johann Christoph Wittmann (1754–1767)
4.2.4 Johann Erwin Klingenhuber (1767–1778)
4.2.5 Johann Georg Lippert (1779–1782)
4.3 Die Mirakelberichte
4.3.1 Votanten
4.3.2 Anliegen
4.3.3 Verlöbnis
4.3.4 Wallfahrtserschwernisse
4.3.5 Weihegeschenke
4.3.6 Heilwunder

5 Fazit

6 Text der Handschrift

7 Anhang
7.1 Hostienfrevelberichte in Röttingen, Lauda, Spalt und Iphofen
7.2 Juden in Iphofen
7.3 Konfessionelle Konflikte
7.4 Inventar
7.5 Renovierungen

8 Quellennachweis

9 Literatur

10 Register
10.1 Verlöbnisgründe
10.2 Ortsregister

Im Jahr 1994 wurde im Pfarrarchiv Iphofen ein Pappkarton mit überraschendem Inhalt abgegeben: In der Kiste befanden sich Dokumente mit Hinweisen auf den Verbleib wertvoller Iphöfer Barock-Musikalia1, aber auch völlig unbekannte und von der neueren Registratur nicht erfasste Archivalien, darunter so wichtige Handschriften wie eine Übersicht über den gesamten, heute im Pfarrarchiv nicht mehr vorhandenen Urkundenbestand aus dem Jahr 1595.

Neben diesen offenkundigen Schätzen blieb eine unscheinbare, 20 cm breite und 31,5 cm hohe, auf drei Bünde geheftete und in Pergament gebundene Papierhandschrift mit bereits vom Buchblock gelösten Umschlagdeckeln und mehreren losen Blättern völlig unbeachtet. Die Handschrift trägt die stark verblasste alte Aufschrift nomina […], einen neueren Klebzettel mit der Archivsignatur I. No. 4 sowie einen kleinen, am unteren Rand des vorderen Einbanddeckels befestigten Aufkleber aus dem 19. Jahrhundert mit dem pauschalen Hinweis Geschichtliches über die hl. Blutskirche. Ab Mirakel Nr. 17 wurden drei Lagen (30 Blätter) mit marmoriertem Papier zu einem Verband zusammengebunden. Als Wasserzeichen zeigen sich eine Schlange, die einen von einem Blattkreuz bekrönten Stab umwindet, mit der Buchstabenfolge HSH im Sockel (8 cm hoch), sowie die Darstellung eines Bischofs mit Stab (8 cm hoch).

Ein Blick auf den Inhalt machte schnell deutlich, welche Bedeutung der bisher völlig unbekannten Handschrift zukommt: Sie ist die wichtigste Quelle zur Erforschung der Iphöfer Heilig-Blut-Wallfahrt. Auf 66 Seiten2 enthält der als wunderbuch bezeichnete3 Text über 300 Mirakelaufzeichnungen im Zusammenhang mit der Kirche zum Hl. Blut im Iphöfer Gräbenviertel. Die Einträge ermöglichen interessante Einblicke in die Geschichte dieser Wallfahrt von den Anfängen bis ins Jahr 1781. Spezifika einer von der katholischen Transsubstantiationslehre geprägten Hl.- Blut-Wallfahrt im konfessionellen Grenzraum werden erkennbar.

Der besondere Reiz der Handschrift liegt in ihrer komplexen Entstehungsgeschichte; ist sie doch keine geschlossene Niederschrift einer Hand, sondern Produkt alljährlicher Aufzeichnungen der jeweils amtierenden Pfarrer, die zwar alle nach einem festen Grundschema arbeiteten, daneben aber Raum für eine individuelle, zeittypische Ausgestaltung ihrer Einträge fanden. So ermöglicht die Handschrift Rückschlüsse auf das prägende Zeitkolorit, aber auch auf das Temperament des jeweiligen Verfassers. Unter Anwesenheit von Zeugen wurden die miracula zum Hl. Blut alljährlich von der Kanzel herab promulgiert und im Mirakelbuch dokumentiert.

Im Bewusstsein der Bedeutung des Textes für die Wallfahrtsgeschichte Iphofens reifte beim Verfasser der Entschluss zu einer vollständigen Edition des historisch, aber auch sprachgeschichtlich interessanten Handschriftentextes verbunden mit einer knappen Darstellung der Entstehung und der wesentlichen Etappen der Iphöfer Heilig-Blut-Wallfahrt sowie der Geschichte des Kirchenbaus, soweit sie archivalisch greifbar wird.

Die Einträge ins Mirakelbuch werden in der Regel unverändert wiedergegeben. Zur besseren Verständlichkeit wurde die Zeichensetzung ergänzt und die meist lateinischen Kürzungen wurden aufgelöst.

Zu Dank verpfl ichtet bin ich Dr. Hans-Ludwig Oertel, der mir bei der Transkription und Interpretation der nicht immer leicht zu entschlüsselnden lateinischen Texte und Abbreviaturen hilfreich zur Seite stand. Danken möchte ich Pfarrer Wenzel Baudisch, der die Nutzung des Pfarrarchivs ermöglicht hat, Prof. Dr. Klaus Arnold, P. Dr. Franziskus Büll OSB und Prof. Dr. Jürgen Petersohn für wertvolle Hinweise und Dr. Franz Dülk für seine Hilfe beim Korrekturlesen. Gedankt sei auch Bastian Reinlein, der den Coverentwurf und die aktuellen Bilder fertigte, sowie Sigrid Strauß- Morawitzky für die Gestaltung des Layouts und die Vervollständigung des Registers. Besonderer Dank gilt der Gesellschaft für fränkische Geschichte für die Publikation der vorliegenden Arbeit im Rahmen der „Neujahrsblätter“ und der Stadt Iphofen, insbesondere Bürgermeister Josef Mend, für die Übernahme eines bedeutenden Aufl agekontingents.

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1 Vgl. zum einstigen Musikaliabestand im Iphöfer Pfarrarchiv: Hanns Dennerlein: Musik des 18. Jahrhunderts in Franken. Die Inventare der Funde von Ebrach, Burgwindheim, Maria Limbach und Iphofen, in: Historischer Verein Bamberg, 92. Bericht, Bamberg 1952/53 S. 273–320. Ein Würzburger Bankbeamter und verdienter Altertumsfreund hatte die Iphöfer Musikalia aus dem Pfarrarchiv Iphofen vor dem Verderb gerettet (Dennerlein S. 276). Belege aus dem Pappkarton lassen vermuten, dass der Retter einige der Handschriften nach Mainz verkaufte.

2 66 beschriebene Seiten, die restlichen Blätter bleiben leer bis auf das vorletzte Blatt mit einer Auflistung der benefactores.

3 Nr. 73 (1719).

IN: Neuerscheinung auf dem Büchermarkt. „Nobilitat suum quemque opus“ (Juvenal) von A. Brombierstäudl, Iphöfer Nachrichten, Freitag, 07.09.2007 (Nummer 36), S. 1f.

KT: Iphöfer Geschichte fast wie ein Krimi. Kitzinger Tagblatt, 10.September 2007 (bag)

MP: Neuer Blick auf eine alte Wallfahrt von ROBERT HAASS, Mainpost, Montag, 10. September 2007 - Nr. 208

PDF-ICON _ Heinrich Wagner im Jahrbuch des Hennebergisch-Fränkischen Geschichtsvereins 23, 2008, S. 246 f.


PDF-ICON _ Peter Kolb in Mainfränkisches Jahrbuch für Geschichte und Kunst 60, 2008, S. 369 f.


PDF-ICON _ Helmut Flachenecker in Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte Band 72, Heft 1, 2009


PDF-ICON _ Winfried Romberg in Würzburger Diözesangeschichtsblätter Nr. 71, 2009 – Seite 296f

Das Mirakelbuch

Anlässlich der Buchvorstellung berichtete Walter Grötsch über die Restaurierung des Mirakelbuches.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Bilder hat Walter Grötsch zur Verfügung gestellt.

© Buchbinderei Grötsch