Reihe IX - Darstellungen aus der fränkischen Geschichte - Band 54

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R09B54

ISBN 978-3-86652-954-0

Alfred Wendehorst

Siedlungsgeschichte und Pfarreiorganisation im
mittelalterlichen Franken
Ausgewählte Untersuchungen

Festgabe der Gesellschaft für fränkische Geschichte zum 80. Geburtstag des Verfassers


2007
. Festeinband, Leinen
X und 198 Seiten, zahlreiche
Abbildungen

VK 32,00 EUR

Bibliographie Alfred Wendehorst 1992 – 2007

Was bedeutet das Sprichwort „Man soll die Kirche im Dorf lassen?“

Die Entwicklung der Pfarrei Gochsheim bis zum Ausgang des Mittelalters

Der Archidiakonat Münnerstadt am Ende des Mittelalters

Die Würzburger Radenzgaupfarreien Etzelskirchen, Lonnerstadt, Mühlhausen, Wachenroth

Die Urpfarrei Kitzingen – Die Entwicklung ihres Sprengels bis zum Ausgang des Mittelalters

Zwischen Haßbergen und Gleichbergen – Beobachtungen und Funde zur Siedlungsgeschichte und zur mittelalterlichen Kirchenorganisation im mittleren Grabfeldgau

Der karolingische Königshof Iphofen – Zur Geschichte des Reichsgutes zwischen Main und Steigerwald

Strukturelemente des Bistums Würzburg im frühen und hohen Mittelalter – Klöster, Stifte, Pfarreien

 Siedlungsgeschichte und Pfarreiorganisation in Franken bis zum Ausgang des Mittelalters mit Beispielen aus dem Hohenlohischen

Ortsregister

Mit Freude und Dankbarkeit hat die Gesellschaft für fränkische Geschichte be­schlossen, aus Anlass des achtzigsten Geburtstages ihres langjährigen und ver­dienstvollen wissenschaftlichen Leiters, Herrn Prof. Dr. Alfred Wendehorst, einen Sammelband herauszugeben, in dem einige ältere, teilweise an entlegener Stelle publizierte Schriften, auch ein bisher noch unveröffentlichter Text des Jubilars abgedruckt werden. Alfred Wendehorst wirkte von 1976 bis 1994 als Wissen­schaftlicher Leiter sowie von 1970 bis 1976 und noch einmal von 1994 bis 2006 als stellvertretender Wissenschaftlicher Leiter der Gesellschaft für fränkische Ge­schichte, eine Zeitdauer von insgesamt mehr als 35 Jahren, die nur von Anton Chroust (1864–1945), mit dem er sich sonst nicht gerne vergleichen lassen will, übertroffen wurde. In diesen Jahrzehnten hat er die Arbeit der Gesellschaft nach­haltig geprägt. Das wissenschaftliche Profil und der ausgezeichnete Ruf, den die Gesellschaft genießen, sind zu einem guten Teil sein Werk. Nicht zuletzt deshalb hat die Mitgliederversammlung am 17. September 2006 in Spalt beschlossen, Prof. Wendehorst zu ihrem Ehrenmitglied zu ernennen. Er steht damit in einer Reihe mit S. D. Albrecht Fürst zu Castell-Castell und Dr. Roland Horster.

Vor etwas mehr als 60 Jahren aus dem Krieg zurückgekehrt, begann Alfred Wende horst sein Studium an der Universität Würzburg, setzte es in Köln fort und kehrte zur Promotion bei Otto Meyer (1906–2000) mit Studien über Alber-tus Magnus wieder nach Würzburg zurück. Unter seinen verschiedenen berufli­chen Neigungen siegte die zur Geschichte, die ihn zunächst in die Vorbereitung zum Archivdienst führte. Die in den Jahren 1953 bis 1956 am Wiener Institut für österreichische Geschichtsforschung erworbenen Qualifikationen haben ihn bald in die Lage versetzt, auch in der Diplomatik, in der Paläographie und in der Geschichte des Lesens- und Schreibenlernens im Mittelalter neue Einsichten zu erzielen und zu vermitteln. Mit seinem von ihm oft zitierten Lehrer Alphons Lhotsky (1903–1968), der als Vortragender und als Forscher durch seine Darstel­lungskunst fazinierte, blieb er zeitlebens freundschaftlich verbunden.

Bei Alfred Wendehorst fügt sich zusammen, was den echten Forscher ausmacht: die Präzision im Detail mit der klaren Sicht auf das für die akademische Leh­re unerlässliche Generelle, das auch in seinen Handbuchbeiträgen transparent wird. Den weiten Blick verdankt er nicht zuletzt seinem Forschungsjahr in Rom (1956/57), wo er, weitgehend frei von anderen Verpflichtungen, in der Vatikani­schen Bibliothek, im Vatikanischen Archiv, in der Bibliothek des damals von dem legendären Walther Holtzmann (1891–1963) geleiteten Deutschen Historischen Instituts und anderen Bücherparadiesen arbeiten konnte. 1957 trat er in Würz­burg in den Archivdienst ein und noch im gleichen Jahr wurde er – dank des In­teresses von Theodor Kramer (1899–1980) und dessen Vertrauen in den jungen Wissenschaftler – externer Mitarbeiter des Max-Planck-Instituts für Geschichte in Göttingen. Auch die Anregungen, die er von dessen erstem Nachkriegsdirektor Hermann Heimpel (1901–1988), dessen große und auch sprachlich bestechende Überblicke auf dem Fundament einer riesigen Summe sorgfältig recherchierter Details stehen, gaben ihm eine exemplarische Orientierung mit auf den Weg. Wie andere Mitarbeiter in Heimpels Institutsumkreis, die seit den späten fünf­ziger Jahren bei den jährlichen Colloquien Nehmende und Gebende waren, hat ihn die schwer verständliche Abwicklung des Göttinger Max-Planck-Instituts für Geschichte im letztvergangnen Jahr auch emtional berührt.

Weitere Stationen seines wissenschaftlichen Werdegangs waren die Habilitation 1964 in Erlangen und 1965 die Ernennung zum planmäßigen a. o. Professor in Würzburg. Als Nachfolger von Gerhard Pfeiffer (1905–1996), dem er auch in zahlreichen anderen Funktionen folgte und mit dem ihn mehr verband als die Herkunft aus dem Archivdienst, hatte Alfred Wendehorst von 1972 bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1994 den traditionsreichen landesgeschichtlichen Lehrstuhl in Erlangen inne. Mit seinen Forschungen zur Germania Sacra für die Bistümer Würzburg und Eichstätt und – zusammen mit Erich Freiherr von Guttenberg (1888–1952), einem seiner Vorgänger auf dem Erlanger Lehrstuhl, auch für Bamberg – beginnen für die fränkische Landesgeschichte in mancherlei Hinsicht neue Erkenntnisse. Einen weiteren Schwerpunkt bildet die Universitäts geschichte, wie die zu ihrem 250jährigen Jubiläum von ihm vorgelegte Gesamtdarstellung der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg belegt, deren ehrenamtlicher Archivar er von 1975 bis 2002 war. Seine Kompetenz war oft gefragt: er wurde Mitglied und Mitarbeiter der Kommission für bayerische Landesgeschichte bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, der Kommission für geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg und der Bayerischen Benediktinerakademie. Auch weiteren, durch Berufungen in Leitungsfunktionen anderer historischer Institutionen und Gesellschaften neu erwachsenen Pflichten hat er sich nie versagt.

Aber da ist noch der Mensch Alfred Wendehorst, der sich zurückhaltend gibt, wo manche geräuschvoll auftreten würden, um sich in Positur zu setzen. Er hat dies nicht nötig. Nicht die Kraft der Stimme verleiht dem Wissenschaftler Gehör, sondern Qualität und Gewicht des Inhalts.

Wenn die Gesellschaft für fränkische Geschichte, der Alfred Wendehorst seit 1957 – die längste Zeit in leitender Position – angehört, ihm einen Sammelband mit einer Auswahl aus seinen eigenen Untersuchungen widmet, so ließ sie sich dabei von dem Motto leiten: colligere fragmenta. Manche dieser Arbeiten, konzentriert auf das Thema Siedlungsgeschichte und Pfarreiorganisation, sind aus Anlässen erschienen, die längst vergangen sind. Wir wollten sie, zumal sie alle aus den Quellen erarbeitete Bausteine zur fränkischen Geschichte sind, vor dem Vergessen bewahren und für künftige Weiterforschung bereithalten. Das wechselseitige Einwirken von Kirche und Region bei der Genese Europas bildet einen zentralen Schwerpunkt in Alfred Wendehorsts Schaffen.

Viele haben zum Erscheinen dieses Buches beigetragen. Frau Sigrid Strauß-Morawitzky hat im Zusammenwirken mit dem Autor die Texte erfasst und für die ansprechende Gestaltung gesorgt. Prof. Wendehorst hat auch den ältesten (1961 erschienenen) der ausgewählten Texte noch einmal redigiert und gegebenenfalls aus inzwischen erschienenen neueren Forschungen ergänzt. Frau Maria Günther hat die Bibliographie des Jubilars für die Jahre 1992 bis 2007 fortgeführt und knüpft damit an die Festschrift Alfred Wendehorst im Jahrbuch für fränkische Landesforschung 52 von 1992 an.

Ihnen allen möchten wir danken, zuvörderst aber gelten unser herzlicher Dank und unser Respekt Herrn Prof. Dr. Alfred Wendehorst für sein fünfzigjähriges Wirken im Dienste der Gesellschaft für fränkische Geschichte. Wir wissen, dass er mit ungebrochener Tatkraft an der Verwirklichung mehrerer Vorhaben arbei­tet. Dafür wünschen wir ihm noch viele Jahre Gesundheit, Wohlergehen und Gottes Segen.

Eyring Frhr. von Rotenhan                                                                   Paul Graf von Schönborn
1. Vorsitzender                                                                                    2. Vorsitzender

Dr. Erich Schneider                                                                              Prof. Dr. Dieter J. Weiß
Wissenschaftlicher Leiter                                                                     stv. Wissenschaftlicher Leiter

Jesko Graf zu Dohna M. A.                                                                  Dr. Gerhard Seibold
Schatzmeister                                                                                     stv. Schatzmeister

PDF-ICON _ Helmut Flachenecker in den Würzburger Diözesangeschichtsblättern 70. Band, 2008, S. 362 – 364


PDF-ICON _ Laure Charlotte Jacob in Mainfränkisches Jahrbuch 61, 2009. S. 368 -369