Reihe IX - Darstellungen aus der fränkischen Geschichte - Band 51

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R09B51

ISBN 978-3-86652-951-9


Franz Krautwurst

Franconia cantat
Fränkische Musikgeschichte in Lebensbildern aus sechs Jahrhunderte


2006. Festeinband
XI und 190 Seiten, zahlreiche
Abbildungen

VK 28,80 EUR

Vorwort
Erich Schneider

Einführung
Friedhelm Brusniak

Konrad Paumann (um 1410-1473)

Hans Leo Haßler (1564-1612)

Johann Pachelbel (1653-1706)

Valentin Rathgeber OSB (1682-1750)

Johann Georg Herzog (1822-1909)

Armin Knab (1881-1951)

Georg Kempff (1893-1975)

Hugo Distler (1908-1942)

Register

Seit über 100 Jahren stellt sich die Gesellschaft für fränkische Geschichte die Aufgabe, die Erforschung der Geschichte im Bereich des ehemaligen fränkischen Reichskreises seiner Territorien und angrenzenden Gebiete durch wissenschaftliche Publikationen allgemein zugänglich zu machen. Im Rahmen unserer 13 Veröffentlichungsreihen nehmen die seit 1967 auf 20 Bände angewachsenen Fränkischen Lebensbilder eine wichtige Rolle ein, sind sie doch geeignet, in breitere Kreise der an fränkischer Geschichte und Kultur Interessierten hineinzuwirken.

Seit 1973 hat Franz Krautwurst einen festen Platz in der Reihe von namhaften Autoren aus allen Bereichen der Regionalgeschichte, die sich stets gerne bereit gefunden haben, die Ergebnisse ihrer biographischen Forschungen über herausragende Persönlichkeiten in den Fränkischen Lebensbildern zu publizieren. Mit seinen fundierten und unmittelbar aus den Quellen erarbeiteten Beiträgen, die stets auch sprachliche Meisterwerke bildeten, hat Franz Krautwurst eindrucksvoll belegt, dass die Musikgeschichte selbstverständlich auch ein fundamentaler und integraler Bestandteil der Landesgeschichte ist. Abgesehen davon haben seine Texte und das sich darin spiegelnde wissenschaftliche Ethos vielen anderen Mit-Autoren an den Lebensbildern zum Vorbild bei ihrer eigenen Arbeit gedient. Beginnend mit Gerhard Pfeiffer über Alfred Wendehorst bis hin zum Unterzeichnenden durften drei Herausgeber stets gewiss sein, mit einem Lebensbild aus der Feder von Franz Krautwurst einen wichtigen Mosaikstein zur Musikgeschichte Frankens veröffentlichen zu dürfen.

Der 80. Geburtstag von Franz Krautwurst hat den Wunsch laut werden lassen, diese Texte in einer eigenständigen Publikation zusammenzufassen. Der Gesamtausschuss der Gesellschaft für fränkische Geschichte hat diesem Ansinnen bereitwillig zugestimmt. Franz Krautwurst hat es sich nicht nehmen lassen, seine Beiträge noch einmal kritisch durchzusehen und mit aktualisierten Literaturangaben zu versehen. Friedhelm Brusniak war so freundlich, die Rolle des Herausgebers zu übernehmen und dabei nicht nur die einzelnen Lebensbilder zu einem ansprechenden Bouquet zu arrangieren, sondern auch die Drucklegung zu betreuen und für die notwendigen wissenschaftlichen Register zu sorgen. Den ausgezeichneten Druck besorgte die Verlagsdruckerei Schmidt in Neustadt/Aisch. Ihnen allen, zuvörderst aber Franz Krautwurst, danke ich im Namen von Vorstand und Gesamtausschuss der Gesellschaft für fränkische Geschichte für Ihre engagierte Mitwirkung und wünsche „Franconia cantat“ viele interessierte Leser.

Erich Schneider

Anlässlich des 80. Geburtstages von Franz Krautwurst am 7. August 2003 wurden die Verdienste des Nestors der landeskundlichen Musikforschung in Franken und Bayern in besonderer Weise gewürdigt. Der Jubilar habe neben zahlreichen anderen grundlegenden musiktheoretischen und -analytischen Beiträgen1 stets auch die musikwissenschaftliche Landesforschung als historische Grundlagenforschung im Sinne Karl Gustav Fellerers gefördert, der einer „landschaftlich gebundenen Musikforschung“ zwei Aufgaben beimaß: einerseits „durch Sonderstudien der allgemeinen Musikforschung neues Quellenmaterial zu erschließen, andererseits Musik und Musikleben in ihrer kulturellen Stellung in einem bestimmten Raum zu erfassen“.2 Ganz im Sinne Fellerers hat auch Franz Krautwurst stets die Auffassung vertreten, dass damit „ebenso der Beitrag der Musik zur allgemeinen Kultur und Gesellschaftsentwicklung eines Raumes deutlich“ wird „wie der musikalische Beitrag eines bestimmten Raumes zur allgemeinen Musikentwicklung“. Denn „nicht nur die großen Brennpunkte des Musiklebens in den einzelnen Zeiten, nicht nur die großen Meister und die ihr Schaffen erfassende Untersuchung der Stilentwicklung können das wahre Bild der Musikentwicklung zeichnen. Der Boden, auf dem sich die Musik entfaltet, die geistigen und gesellschaftlichen Grundlagen, die das Musikleben und in ihm den schaffenden und ausübenden Künstler bilden, müssen erkannt werden, um damit auch die Stilentwicklung in ihren Zusammenhängen zu klären. Jeder Raum hat hier seine Bedeutung und Besonderheiten, auch wenn er nicht als ,große' Musiklandschaft wie Thüringen, Böhmen oder Österreich im allgemeinen Bewusstsein europäischer Musikgeschichte steht.“

Mit der vorliegenden Anthologie von Lebensbildern fränkischer Musiker ist deutlich gemacht, dass es - wie auch der Untertitel betont - nicht um die fränkische Musikgeschichte geht, sondern um „Schlaglichter“. Damit folgt die Publikation durchaus einem Trend der Musikwissenschaft zur musikalischen Regionalgeschichtsforschung und zur Biographik, wie er in den letzten Jahren immer deutlicher erkennbar wird und nicht nur vonseiten der Musikwissenschaft, sondern gleichermaßen auch vonseiten der Musikpädagogik immer stärkere Beachtung findet.3

Die Fränkischen Lebensbilder richten sich in erster Linie zwar nicht an den Fachwissenschaftler, sondern an den „gebildeten Bürger“ im Sinne des „gebildeten Lesers“. Da Franz Krautwurst jedoch stets bei seinen Beiträgen auch neue Forschungen getrieben hat, waren und sind seine Biographien immer auch für den Fachwissenschaftler von Bedeutung. Sie kennzeichnen in vorbildlicher Weise die Einbindung in Kontexte, wie sie nur ein interdisziplinär orientierter Historiker zu leisten in der Lage ist. Landesforschung wird damit nicht isoliert, sondern stets im Zusammenhang mit Territorialgeschichte und im Vergleich zu Nachbardisziplinen gesehen, nicht zuletzt aufgrund der Tatsache, dass hier auch ein wahrer Fundus von Daten und Fakten aus der musikalischen Sozialgeschichtsforschung bereitgestellt wurde.

Hinzu kommt ein Wesenszug des Autors, den der fränkische Landeshistoriker Alfred Wendehorst in seiner Geburtstagsrede für Franz Krautwurst 2004 im Dehnberger Hof Theater treffend formulierte, indem er hervorhob, man sage im allgemeinen, über Musik könne man nicht schreiben, das heißt die Worte würden nicht ausreichen, um den Gehalt der Musik zu erfassen. Im Falle von Franz Krautwurst wäre die Beschreibung allerdings so, dass man eine konkrete Vorstellung der besprochenen Musik bekomme. „Franconia non cantat“ ist mit Krautwursts Forschungen eindrucksvoll widerlegt.

Wie in den zurückliegenden Jahren, in denen Franz Krautwursts Lebensbilder als „Ideen-Pool“ für musikalische Veranstaltungen und Projekte unterschiedlichster Art, vom Fränkischen Sommer über Komponistenjubiläen bis hin zu Museumsinitiativen wie das Sängermuseum des Fränkischen Sängerbundes in Feuchtwangen und das Valentin- Rathgeber-Museum in Oberelsbach genutzt wurden, dürfte es sich bei den hier hinsichtlich einzelner Daten und Fakten von Franz Krautwurst selbst überarbeiteten und bei den Literaturangaben aktualisierten Beiträgen erneut um Anregungen für weiterführende Spezialforschungen und kulturelle Unternehmungen handeln. Dies gilt auch für den Musikunterricht an allgemein bildenden Schulen wie für Bereiche außerschulischer Musikpädagogik. Hierzu dient ein von stud. phil. Julia Matter erarbeitetes ausführliches Register, das nicht nur die einzelnen Beiträge erschließt, sondern diese auch miteinander vernetzt. Ein besonderer Dank gilt ferner meiner Mitarbeiterin Elke Szczepaniak für die sorgfältige redaktionelle Arbeit.

Wie in den zurückliegenden Jahren, in denen Franz Krautwursts Lebensbilder als „Ideen-Pool“ für musikalische Veranstaltungen und Projekte unterschiedlichster Art, vom Fränkischen Sommer über Komponistenjubiläen bis hin zu Museumsinitiativen wie das Sängermuseum des Fränkischen Sängerbundes in Feuchtwangen und das Valentin- Rathgeber-Museum in Oberelsbach genutzt wurden, dürfte es sich bei den hier hinsichtlich einzelner Daten und Fakten von Franz Krautwurst selbst überarbeiteten und bei den Literaturangaben aktualisierten Beiträgen erneut um Anregungen für weiterführende Spezialforschungen und kulturelle Unternehmungen handeln. Dies gilt auch für den Musikunterricht an allgemein bildenden Schulen wie für Bereiche außerschulischer Musikpädagogik. Hierzu dient ein von stud. phil. Julia Matter erarbeitetes ausführliches Register, das nicht nur die einzelnen Beiträge erschließt, sondern diese auch miteinander vernetzt. Ein besonderer Dank gilt ferner meiner Mitarbeiterin Elke Szczepaniak für die sorgfältige redaktionelle Arbeit.

Würzburg, im August 2006
Friedhelm Brusniak

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1 Vgl. die Bibliographie Franz Krautwurst (bis 1988), in: Quaestiones in musica. Festschrift für Franz Krautwurst zum 65. Geburtstag, hg. von Friedhelm BRUSNIAK und Horst LEUCHTMANN, Tutzing 1989, S. 745-757 sowie Franz KRAUTWURST, „Krautwurst, Franz“, in: MGG2, Personenteil, Bd. 10, Kassel etc. 2003, Sp. 637 f.

2 Hier und im Folgenden Karl Gustav FELLERER, Die Aufnahme musikalischer Denkmäler im Rheinland, in: DER MINISTERPRÄSIDENT DES LANDES NORDRHEIN-WESTFALEN, LANDESAMT FÜR FORSCHUNG (Hg.), Jahrbuch 3.1965, Köln-Opladen 1965, S. 209-234, hier: S. 209 f.

3 Exemplarisch verwiesen sei auf: Niedersachsen in der Musikgeschichte. Zur Methodologie und Organisation musikalischer Regionalgeschichtsforschung. Internationales Symposium, Wolfenbüttel 1997, hg. von Arnfried EDLER und Joachim KREMER, Augsburg 2000 (Publikation der Hochschule für Musik und Theater Hannover 9); Hans LENNEBF.RG, „Biographik“, in: MGG2, Sachteil, Bd. 1, Kassel etc. 1994, Sp. 1545-1551; Musikpädagogische Biographieforschung. Fachgeschichte - Zeitgeschichte - Lebensgeschichte, hg. von Rudolf-Dieter KRAEMER, Essen 1997 (Musikpädagogische Forschung 18); Wozu Biographik? Zur Rolle biographischer Methoden in Vermittlungsprozessen und Musikanalyse. Bericht über die Tagung der Fachgruppe „Musikwissenschaft und Musikpädagogik“ in der Gesellschaft für Musikforschung, Lüneburg, 30. Nov. - 1. Dez. 2002, im Auftrag der Fachgruppe hg. von Andreas WACZKAT, Rostock 2003; Joachim KREMER, .Leben und Werk' als biographisches Konzept der Musikwissenschaft: Überlegungen zur .Berufsbiographie', zu dem .Komponisten von Amts wegen' und dem Begriff .Kleinmeister', in: Biographie und Kunst als historiographisches Problem. Bericht über die Internationale Wissenschaftliche Konferenz anläßlich der 16. Magdeburger Telemann-Festtage Magdeburg, 13. - 15. März 2002, im Auftrag des Zentrums für Telemann-Pflege und -Forschung Magdeburg hg. von Wolf HOBOHM, Hildesheim etc. 2004 (Telemann-Konferenzberichte XIV), S. 11-39.