Reihe VIII - Quellen und Darstellungen zur fränkischen Kunstgeschichte - Band 16

» zurück

R08B16

ISBN 978-3-86652-816-1

Johannes Mack

Der Architekt Joseph Greissing (1664–1721)
Mainfränkischer Barock vor Balthasar Neumann

 

2008. Festeinband
Leinen mit Schutzumschlag
800 Seiten, über 350 Abbildungen

 

VK 59,00 EUR

Die vorliegende Arbeit wurde ursprünglich unter dem Titel „Die Einturm-fassadenkirchen Joseph Greissings – ein Leitmotiv des Mainfränkischen Barock“ als Fortführung meiner Magisterarbeit zur Schlosskirche Friesenhausen begonnen1. Während der Materialsammlung trat jedoch immer unüberbrück­barer ein Problem zu Tage: Abgesehen davon, dass relativ wenig echte Quellen­forschung betrieben worden war und noch keine Gesamtmonografie zu Greissing vorlag, offenbarte sich vor allem, mit welch fundamentalen Irrtümern und treu ererbten Voreingenommenheiten er zum Teil bis heute in der Literatur darge­stellt wird. Eine Bearbeitung der Einturmfassaden war daher ohne breit angelegte „Grundlagenforschung“ überhaupt nicht sinnvoll möglich. Als Kon sequenz dar­aus entstand unter anderem der beinahe extrem ausführlich angelegte Literatur­überblick, der gerade auch die sukzessive Entstehung von Fehlentwicklungen aufzeigen soll. Mein neues Ziel wurde nämlich, Greissings Künstler persönlichkeit grundsätzlich zu klären und neu zu definieren, was bedeutete, Leben und Werk insgesamt auf eine archivalisch gesicherte, heutigen wissenschaftlichen Ansprü­chen genügende Basis zu stellen.

Angesichts der sich als immer umfangreicher erweisenden Tätigkeit Greis-sings zeichnete sich bald ab, dass für eine abschließende Monografie immer noch eine zu große Menge an Detailuntersuchungen anzustellen wäre, die das Volumen einer Dissertation restlos gesprengt hätten. Es mussten also Schwerpunkte gesetzt werden. Der Kompromiss besteht nun darin, dass die Werke mit unterschied­licher Ausführlichkeit behandelt werden. Die nach meinem Ermessen wichtigs­ten Projekte erscheinen im Text, manche davon leider auf knappste Grundinfor­mationen reduziert, alle sonstigen Fakten von Relevanz sind zumindest in der angefügten Werktabelle aufgeführt2. Damit wird hier trotz mancher noch unge­klärter Frage erstmals ein relativ geschlossenes Gesamtbild Joseph Greissings ge­boten. Gleichzeitig nehme ich so Rücksicht auf die noch unpublizierten Erkennt­nisse der schon lange in der Greissingforschung engagierten Barbara Nitschke. Ihr möchte ich nicht die Möglichkeit zur eigenständigen Veröffentlichung ihres profunden Wissens beispielsweise zum Würzburger Juliusspital nehmen3. Sehr ausführlich und durchweg auf der Basis eigener Quellenforschung neu erarbeitet werden hier dagegen Projekte vorgestellt, die teils zu den umstrittensten Themen der fränkischen Barockforschung gehören, wie die Entstehung der Würzburger Neumünsterfassade oder die zweite barocke Bauphase in Kloster Ebrach.

Obwohl Archivarbeit und die damit verbundene Transkription von Originalquellen meine hauptsächliche Arbeitsgrundlage bilden, musste ich ob des dabei ent standenen Volumens an Material auf eine Veröffentlichung als Anhang der vor liegenden Publikation verzichten. Auf eine ausschnittsweise Darbietung wollte ich mich nicht einlassen. So habe ich mich entschieden, diese Materialsammlung weiter zu vervollständigen und später einmal als gesonderten Quellenband zum Wirken Greissings herauszugeben. Selbstverständlich werden an den entspre chenden Stellen über die Textanmerkungen exakte Angaben zu den Lagerorten der Archivalien mitgeteilt und die entscheidenden Passagen nicht allein inhaltlich wiedergegeben, sondern wörtlich zitiert. Einige Zitate aus zeitgenössischen Schriftstücken habe ich direkt in den Fließtext eingearbeitet. Sie sollen den Leser näher an das Geschehen der beschriebenen Ereignisse heranführen und das Verständnis für die Denk- und Arbeitsweise am Beginn des 18. Jahrhunderts befördern.

Die meist übliche Gliederung einer Architektenmonografie in Sakral- und Profanbauten oder dergleichen scheint mir bei Greissing weniger sinnvoll, da seine in den diversen Bereichen gefundenen Lösungen – auszunehmen sind hier eigentlich nur die Einturmfassaden – meist nicht etwa die konsequent fortent­wickelte Auseinandersetzung mit einem architektonischen Grundthema darstel­len, sondern sich durch seine ausgeprägte Anpassungs- und Adaptionsfähigkeit ständig neue, aus dem Vorhergehenden oft nicht erklärbare Wendungen ergeben. Kontinuität zeigen dagegen seine Auftraggeber, die ihn offenbar sehr stark beein­flusst haben. Damit meine ich nicht unbedingt eine unmittelbare Einflussnahme auf seine Entwürfe, sondern auf seine Baugesinnung. Über die Auftraggeber er­schließt sich sein Werk in Komplexen, die meist sogar recht homogen sind. Zwei­fellos ergeben sich auch Gewaltsamkeiten, doch bei einer herkömmlichen Glie­derung hätten sich ebensolche, und, wie ich meine, sogar noch größere ergeben. Um weitere, übergreifende Zusammenhänge aufzuzeigen, folgen die allgemeinen Kapitel ab Punkt 3.7 sowie die Zusammenfassung am Ende. So wird dem Leser beides geboten, das mannigfaltige Wirken an unterschiedlichsten Bauaufgaben für einen bestimmten Auftraggeber, und schließlich die Zusammenschau seiner Leistungen auf einem speziellen Gebiet. Zwar sind damit einige Wiederholungen impliziert, die Benutzung der Arbeit, die ich auch als eine Art „Nachschlage­werk“ zu Joseph Greissing verstanden wissen möchte, gestaltet sich damit jedoch wesentlich bequemer.
_________________________________________
1  MACK, Johannes: Die katholische Schloßkirche Mariae Himmelfahrt zu Friesenhausen in Franken – ein Werk Joseph Greissings, (ungedruckte Magisterarbeit), Saarbrücken 2000.
2  Zur Vermeidung noch größerer Unausgewogenheit ist hier viel Detailwissen ganz ausge­klammert. Dies werde ich in Aufsätzen zu Spezialthemen nachzuliefern bemüht sein.
3  Frau Barbara Nitschke, der ich für so manche freundliche Mitteilung sehr herzlich danken möchte, arbeitet seit langem an einer Dissertation zu Joseph Greissing.

PDF-ICON_ Inhaltsverzeichnis

PDF-ICON_ Buchvorstellung im Stadtarchiv Würzburg am 10.07.2009 Dr. Mack

PDF-ICON_ Buchvorstellung im Stadtarchiv Würzburg am 10.07.2009  Dr. Schneider

PDF-ICON_ Buchvorstellung im Stadtarchiv Würzburg am 10.07.2009 Dr. Wagner

 

PDF-ICON_  Verkanntes Genie. Renate Freyeisen in Bayerische Staatszeitung Nr. 39, Seite 24 - Kultur, 25.09.09


PDF-ICON_  Volker Rößner in Bericht 145 (2009), Seite 370 - 372. Historischer Verein Bamberg (für die Pflege der Geschichte des ehemaligen Fürstbistums) e.V.


Mainpost: Klaus Gimmler in Mainpost Nr. 280 - Hassbergkreis, 04.12.09


PDF-ICON_ Hans-Peter Trenschel in Mainfränkisches Jahrbuch 61 - 2009, S. 415 - 420


PDF-ICON_ Der vergessene Baumeister. Renate Freyeisen in Nummerzweiundfünfzig, Würzburg, Februar 2010, Seite 25