Reihe VIII - Quellen und Darstellungen zur fränkischen Kunstgeschichte - Band 14

» zurück

R08B14

ISBN 978-3-86652-814-7
ISBN alt 3-7686-9302-3

Erich Schneider

Die ehemalige Sommerresidenz der
Würzburger Fürstbischöfe in Werneck


2003
. Festeinband
Leinen mit farbigem Schutzumschlag
740 Seiten mit 211 s/w-Abbildungen

VK 98,00 EUR

Schloss Werneck ist ohne Friedrich Carl von Schönborn als Bauherrn und ohne Balthasar Neumann als Baumeister nicht vorstellbar. Damit ergibt sich eine ähnliche Situa­tion wie in Würzburg ab 1729. An der Residenz in der Hauptstadt wie am Sommerschloss inmitten großer Jagdreviere wirkten nahezu die gleichen Künstler und Kunsthandwerker. Werneck und Würzburg werden des­halb in der kunstgeschichtlichen Literatur gerne in einem Atemzug genannt.

In Werneck wusste Neumann die Anlage einer Fasanerie mit den Annehmlichkeiten eines Lustschlosses zu verbin­den. Der Bauherr selbst erhoffte auf geradezu moderne Weise, „daß daselbsten ein bequäme und angenehme Gelegenheit sein werde, in denen beschwerlichen Regie­rungsgeschäften sich zuweilen eine vergnügliche Erleich­terung zu verschaffen und das Gemüht bei frischer Luft und zur Gesundheit dienlicher Bewegung ergötzen zu können“. Für einige Wochen im Sommer und im Herbst diente das Schloss als Sommerresidenz eines der einflus­sreichsten regierenden Reichsfürsten. Dazu musste Werneck so groß sein, um neben dem Fürstbischof und seinen Staatsgästen auch den gesamten Staatsapparat der geistlichen und weltlichen Regierung aufnehmen zu kön­nen. Vor diesem Hintergrund ist nicht nur die ursprüng­liche Prachtentfaltung in den Repräsentationsräumen des Fürstbischofs, sondern auch die Größe der Anlage mit Verwaltungsräumen, Wirtschaftshöfen und Fasanengarten zu verstehen.

Friedrich Carl von Schönborn dürfte „sein“ Schloss Werneck im Wesentlichen nur als Baustelle erlebt haben, selbst wenn er es mit der Weihe der Schlosskirche im August 1745 als vollendet „approbiert“ hat. Insbesondere die Arbeiten an der Innenausstattung sollten sich noch über etliche Jahre erstrecken. Erst seinen Nachfolgern, allen voran Greiffenclau und Seinsheim, blieb es Vorbe­halten, diese zum Abschluss zu bringen und den Fasanen­garten in voller „Blüte“ zu erleben. Kaum, dass Werneck vollendet war, wurde das Schloss in den Sog der durch die Französische Revolution ausgelösten umwälzenden Ereig­nisse gezogen. Hier wurde 1802 das Ende des Hochstiftes Würzburg verkündet. Werneck diente ab 1803 für einige Jahre als „Austragshaus“ des letzten Würzburger Fürstbi­schofs Georg Karl von Fechenbach.

Zwischen 1804 und 1814 erlebte Werneck noch einmal höfischen Glanz unter Großherzog Ferdinand von Toska­na. Danach geriet es zunehmend in Vergessenheit. Die bayerischen Herzoge aus dem Hause Wittelsbach wussten mit der ihnen zugefallenen Immobilie im Grunde nichts anzufangen. Im Laufe der Jahre wurde das Schloss seines wertvollen beweglichen Inventars mehr und mehr entklei­det und konnte somit ab 1853 gewissermaßen „besenrein“ einer Nutzung als Krankenanstalt zugeführt werden.

Erich Schneider hat es sich in seiner Arbeit über Schloss Werneck zum Ziel gesetzt, in einem ersten Schritt alle erreichbaren schriftlichen und bildlichen Quellen zusam­menzutragen. Die in Teil II edierten, großteils bisher nicht bekannten Schriftquellen dienen u. a. als Basis für die Auseinandersetzung mit dem in Teil III vorgelegten Katalog der Bildquellen und der damit verbundenen Dokumentation des erhaltenen Bestandes an originaler Substanz bzw. seiner Veränderungen. Architekturzeichnungen und Gebäude, Inventar und Mobiliar werden dort in rund 200 „Kurzmonographien“ im Hinblick auf ihre Relevanz für die Kunstgeschichte von Werneck untersucht. Von methodischer Bedeutung ist dabei, dass in diesem Abbildungsteil das Denkmal in all seinen erhaltenen Facetten als Quelle untersucht wird und die Abbildungen nicht nur zur bloßen Illustration des beschreibenden Textes degradiert werden.

Schrift- und Bildquellen werden schließlich im kommen­tierenden Teil I der Arbeit im Hinblick auf komplexere Problemstellungen diskutiert. Längsschnitte der Planungs­- und Baugeschichte des Schlosses, seiner Ausstattung sowie des Fasanengartens spielen dabei ebenso eine Rolle wie Querschnitte etwa zur Finanzierung oder zur Organi­sation des Baubetriebes. Die vorliegende Arbeit unter­nimmt für Werneck den Versuch, alleine aus den Quellen schöpfend und vor dem Hintergrund sowohl von Baltha­sar Neumanns Œuvre als auch gleichzeitigen und ver­gleichbaren Architekturen, ein kunsthistorisches Bild von Neumann zu zeichnen. Sein Künstlertum wird dabei nicht alleine gegen Lucas von Hildebrandt als Wiener Konkurrenten abgegrenzt, sondern auch gegenüber Friedrich Carl von Schönborn als Bauherrn und Auftrag­geber. Parallel dazu wird der Versuch unternommen, Schloss Werneck sowohl in den Kontext der barocken Architektur des 18. Jahrhunderts in Franken bzw. in Mit­teleuropa einzuordnen.

Vorwort

Werneck – Ein Ort und sein Schloss
Die Planung von Schloss und Fasanengarten bis 1746
Planung und Baugestalt der Innenräume von Corps de Logis und Schlosskirche
Pommersfelden – Göllersdorf – Werneck: Schloss Werneck im Kontext der Barockarchitektur in Franken und Südthüringen
Geschichte der Anlage des Fasanengartens bis 1746
Fasanenmeisterei und „Fasanenschlösschen“
Die Baugeschichte des Schlosses bis 1746
Die Innenausstattung bis 1746 – Bauherr und Baumeister, Künstler und Handwerker
Die Organisation des Bauwesens bis 1746
Die Finanzierung von Schloss Werneck bis 1746
Schloss und Fasanengarten von 1746 bis 1803
Schloss und Fasanengarten seit 1803

QUELLENEXZERPTE UND DATEN ZUR GESCHICHTE
VON SCHLOSS UND GARTEN
VOM 18. JAHRHUNDERT BIS IN DIE GEGENWART

Einleitung
Quellen und Daten

BILDQUELLEN UND DOKUMENTATION DES BESTANDES
VON SCHLOSS UND GARTEN
VOM 18. JAHRHUNDERT BIS IN DIE GEGENWART

Einleitung
Topographie und Vorgängerbauten
Bauherren und Baumeister
Planung von Schloss und Fasanengarten bis 1746
Der Außenbau
Innenräume und Innenausstattung in fürstbischöflicher Zeit bis 1803
Schloss Werneck 1803 bis 1814
Fasanengarten und Parkanlagen
Schloss und Park nach 1814
Vergleiche

ANHANG

Abgekürzt zitierte Literatur
Verwendete Abkürzungen
Register
Personenegister
Ortsregister
Abbildungsnachweis

PDF-ICON _ Vorwort des Autors

» sehepunkte: Ulrike Seeger: Institut für Kunstgeschichte, Martin-Luther-Universität, Halle-Wittenberg in sehepunkte 6 (2006), Nr. 4 [15.04.2006]
und in
» arthistoricum.net: Kunstform 7 (2006), Nr.04

PDF-ICON _ Thomas Voit in Frankenland, Zeitschrift für fränkische Landeskunde und Kulturpflege 58, 2006/5

PDF-ICON _ Bernhard Rösch in den Würzburger Diözesangeschichtsblättern 70. Band 2008, S. 425 – 429