Reihe VIII - Quellen und Darstellungen zur fränkischen Kunstgeschichte - Band 13

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R08B13

ISBN 978-3-86652-813-0
ISBN alt 3-7686-9287-6


Christian Dümler

Die Neue Residenz in Bamberg
Bau- und Ausstattungsgeschichte der fürstbischöflichen Hofhaltung im Zeitalter der Renaissance und des Barock

2001. Festeinband
704 Seiten, 112 s/w und 48 farbige Abbildungen

VK 65,00 EUR

Die Neue Residenz ist das bedeutendste profane Bauwerk der Altstadt von Bamberg, die von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt wurde. Zu Anfang des 17. Jahrhunderts begonnen, verhinderten die schwierigen politischen Verhältnisse von Gegenreformation und Dreißigjährigem Krieg zunächst eine Vollendung. Erst 80 Jahre später konnten die Baumaßnahmen durch den Architekten Leonhard Dientzenhofer fortgeführt werden. Veränderte Auffassungen von Repräsentation und Wohnkomfort führten zu neuen Lösungen, die wichtige Impulse für die weitere Entwicklung des fränkischen Schlossbaus gaben. Hierin liegt die Bedeutung des Bamberger Schlosses, das im Spannungsfeld der Kunstentwicklung von Renaissance und Barock entstand.

In dieser Baumonographie wird erstmals die Bau- und Ausstattungsgeschichte auch im Hinblick auf die kunsthistorische Stellung dargelegt: Die Neue Residenz Bamberg steht am Anfang jener Reihe bedeutender Schlossbauten in Franken, die in der Residenz Würzburg den Höhepunkt absolutistischen Schlossbaus in Europa erreicht.

Die Neue Residenz Bamberg zählt zu den größten Schlössern in Bayern. Ungeachtet dieser Tatsache war die Residenz der Bamberger Fürstbischöfe bislang in ihrer Bedeutung verkannt und daher nicht Gegenstand übergreifender kunsthistori­scher Forschung. Nur die lokale Kunstwissenschaft hat sich dieses Bauwerks ange­nommen, wobei der Bamberger Theologieprofessor und bedeutende Kenner der fränkischen Kunstgeschichte Dr. Heinrich Mayer im Rahmen seiner viel beachteten Studie zu den 'Bamberger Residenzen' von 1951 die Baugeschichte der verschiede­nen fürstbischöflichen Hofhaltungen in Bamberg bisher am ausführlichsten unter­sucht hat, freilich, ohne sich mit den kunsthistorischen Bezügen auseinander zu setzen.2

In der vorliegenden Arbeit wurde die Bau- und Ausstattungsgeschichte der Neuen Residenz auf Grundlage neuer, umfangreicher archivalischer Forschung bearbeitet. Dies betrifft zunächst die älteren Bauteile, den abgegangenen Eingangstrakt am Domplatz, den Trakt an der Burggasse (heute Obere Karolinenstraße) wie auch den so genannten „hinteren Trakt” gegen die Hadergasse (heute Aufseßstraße), welche zu Anfang des 17. Jahrhunderts unter Fürstbischof Johann Philipp von Gebsattel (*1555, 1599-1609) entstanden. Bei den ersten archivalischen Recherchen, im Besonderen bei Durchsicht der fast lückenlos erhaltenen Bamberger Hofkammerzahlamtsrechnungen, konnten verschiedene Fakten nicht mit dem bislang vermuten Bauablauf in Überein­stimmung gebracht werden.3 Weil die Baurechnungen der Gebsattelzeit ausführlich die Abbruchmaßnahmen der Vorgängerbebauung überliefern, ergab sich zwangsläu­fig, dass die Baugeschichte des nach seinem Bauherren so genannten Gebsattelbaus nur dann zutreffend darzustellen sein würde, wenn diese Vorgängerbebauung identifi­ziert wäre, denn aus der Abfolge der Abbruchmaßnahmen war nicht nur der Umfang der Baumaßnahmen selbst, sondern auch die topographische Bauentwicklung zu erschließen. Diese Untersuchungen wurden, wie eingangs erwähnt, im Bericht des Historischen Vereins Bamberg 136 (2000) publiziert.

Der Schlossbau des Bamberger Fürstbischofs Johann Philipp von Gebsattel wurde bisher ausschließlich im Zusammenhang mit der heute bestehenden Anlage be­sprochen und nicht als eigenständige Entwurfskonzeption anerkannt. Dieser bemer­kenswerte Komplex findet sich folglich in keiner allgemeinen Darstellung zur deutschen Renaissancearchitektur, was wesentlich auch darin begründet ist, dass er durch die umfangreichen Baumaßnahmen unter Kurfürst Lothar Franz von Schönborn teilweise entstellt und durch die beiden barocken Trakte am Domplatz in den Hintergrund gedrängt wurde. Die ab 1697 erfolgte Erweiterung unter Kurfürst Lothar Franz von Schönborn (*1655, 1693-1729, Kurfürst seit 1695) orien­tierte sich zunächst an den überkommenen Vorstellungen des österreichisch-böhmi­schen Palastbaus des ausgehenden 17. Jahrhunderts. Die Umplanung der Haupttreppe im Jahre 1698 griff noch nicht in das ursprüngliche Entwurfskonzept ein, die im darauf folgenden Jahr 1699/1700 durch den Kurfürsten veranlasste Umplanung im Sinne einer französischen Ehrenhofanlage widersprach aber der in wesentlichen Teilen schon festgelegten Raumfolge im Inneren ebenso, wie der ste­reotypen, auf die Wirkung besonderer Längenerstreckung zielenden Fassade. Die Baumaßnahmen wurden wegen des Spanischen Erfolgekriegs (1701-1714) vorzeitig eingestellt. Der Nachfolger im Bischofsamt, Friedrich Karl Graf von Schönborn (*1697, 1729-1746), nahm das Ehrenhofprojekt in den 1730er Jahren wieder auf, eine Realisierung scheiterte jedoch am Widerstand des Domkapitels.

Sowohl der Gebsattelbau als auch die verschiedenen Planungen zum Schönborn­bau unter dem Kurfürsten Lothar Franz griffen jeweils neue Gedanken des fürstlichen Repräsentationsbaus auf, die mit althergebrachten Vorstellungen der vorigen Stilepoche verbunden, Schlösser des Übergangs hervorbrachten: Von der Renaissance zum Frühbarock und vom Barock zum Spätbarock. In diesem beson­deren Sachverhalt liegt die Bedeutung der Neuen Residenz, die das fränkische Bauschaffen und die Entwicklung des fränkischen Schlossbaus nachhaltig beeinflusst hat.

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2 Mayer, Heinrich, Bamberger Residenzen. Eine Kunstgeschichte der Alten Hofhaltung, des Schlosses Geyerswörth, der Neuen Hofhaltung und der Neuen Residenz zu Bamberg, München 1951.

3 Zuletzt dargestellt von Vieri, Peter: Der Stuck. Aufbau und Werdegang, erläutert am Beispiel der Neuen Residenz Bamberg, München 1965.

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