Die Präsidenten

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WKRB05

ISBN 978-3-940804-02-0

Die Präsidenten
200 Jahre Regierung von Oberfranken
in Bayreuth
 
herausgegeben von Stefan Nöth
und Klaus Rupprecht

2010. Festeinband
496 Seiten

VK 19,80 EUR
 

Im Jahre 1810 kaufte das Königreich Bayern von Napoleon das Fürstentum Bayreuth. Im Zuge rasch aufeinander folgender Verwaltungs- und Gebietsreformen wurde zunächst der Mainkreis (1810), dann der Obermainkreis (1817) und schließlich der Regierungsbezirk Oberfranken (1838) mit der Hauptstadt Bayreuth gebildet.

Das Buch beleuchtet die 200-jährige Geschichte dieses Regierungsbezirks im Spiegel der Biographien seiner Spitzenbeamten – der Regierungspräsidenten. Historiker, Archivare und ein Regierungspräsident a.D. spüren in reichlich bebilderten Beiträgen dem beruflichen Werdegang und den besonderen Leistungen von 24 Präsidenten nach. Gekonnt bringen sie deren Wirken in Bezug zu den regionalen und überregionalen politischen Ereignissen des 19. und 20. Jahrhunderts. Zum besseren Verständnis des Hauptteils schildern einleitend vier Beiträge die historischen Entwicklungslinien des Regierungsbezirks und seiner Regierungsbehörde.

Vorwort des Regierungspräsidenten von Oberfranken Wilhelm Wenning
Vorwort der Herausgeber

200 JAHRE REGIERUNG VON OBERFRANKEN
GESCHICHTE - GEBÄUDE - INSTITUTION

Die Vorgänger des bayerischen Regierungsbezirks Oberfranken von den Anfängen bis 1918. Integration durch staatliche Organisation von Rainer Hambrecht

Wechselvolle Zeiten
– Oberfranken 1914–1945
– Zwischen Trümmerzeit und Wiedervereinigung.
Einige Bemerkungen zu Oberfranken seit 1945 von Werner K. Blessing

Zur Baugeschichte der Regierung von Oberfranken von Günter Dippold

Die Regierung von Oberfranken – eine kleine Behördengeschichte von Günter Dippold

DIE PRÄSIDENTEN
Friedrich Graf von Thürheim (1810–1814) von Dieter J. Weiß
Constantin Ludwig Freiherr von Welden (1815–1832) von Nicola Humphreys
Ferdinand Freiherr von Andrian-Werburg (1832–1837, 1838–1840) von Klaus Rupprecht
Melchior (Ritter von) Stenglein (1840–1857) von Günter Dippold
Friedrich Freiherr von Podewils (1858–1863) von Johann Pörnbacher
Nicolaus Ritter von Koch (1863–1864) von Martin Schramm
Theodor von Zwehl (1864–1868) von Michael Stephan
Ernst Freiherr von Lerchenfeld (1868–1873) von Klaus Rupprecht
Hugo Freiherr von Herman (1873–1876) von Sigrid Strauß-Morawitzky
Karl Alexander von Burchtorff (1876–1893) von Stefan Nöth
Dr. med. h. c. Rudolph Freiherr von Roman zu Schernau (1893–1909) von Stefan Nöth
Gustav Ritter von Brenner (1909–1916) von Sigrid Strauß-Morawitzky
Otto von Strössenreuther (1916–1932) von Ulrich Wirz
Die Präsidenten des vereinten Regierungsbezirks Oberfranken und Mittelfranken (1933–1948)
von Herbert Schott
Dr. Ludwig Gebhard (1948–1956) von Peter Zeitler
Dr. Fritz Stahler (1957–1973) von Peter Zeitler
Wolfgang Winkler (1973–1989) von Martin Schramm
Dr. Erich Haniel (1989–1998) von Martin Schramm
Hans Angerer (1998–2006) von Hans Angerer
Wilhelm Wenning (seit 2007)

Abkürzungsverzeichnis
Personenregister
Autorenverzeichnis

des Regierungspräsidenten von Oberfranken Wilhelm Wenning

Die Regierung von Oberfranken in Bayreuth kann inzwischen auf eine 200-jährige Geschichte zurückblicken, die die vorliegende Chronik in ihren unterschiedlichen Facetten darstellt.

Dabei befasst sich das Werk im einleitenden Teil zunächst mit der Entstehung und wechselnden Ausdehnung des Regierungsbezirks sowie mit der Historie der verschiedenen Dienstgebäude, die der staatlichen Behörde als Sitz dienten und dienen. Vor allem aber wird im Hauptteil die Geschichte des Regierungsbezirks Oberfranken und seiner Exekutivbehörde seit 1810 erstmals anhand der Biographien und Leistungen seiner Präsidenten lücken los aufgearbeitet. Dem Staatsarchiv Bamberg ist mit diesem Ansatz eine Publikation gelungen, die sowohl Aufschluss über die Leistungen und Besonder heiten der Behördenleiter gibt, als auch in besonderem Maße die Wechselwirkung von staatlicher Verwaltung und gesellschaftlichen Gegeben heiten im jeweiligen historischen Kontext dokumentiert. Zugleich ver deutlicht das Werk den hohen Stellenwert, den die (Bezirks-)Regierungen seit dem frühen 19. Jahrhundert bis heute im staatlichen Behördenaufbau in Bayern haben.

Die begleitende Ausstellung ermöglicht es darüber hinaus, die Geschichte des Regierungsbezirks und seiner Präsidenten in anschaulicher Weise einem breiten Publikum nahezubringen.

Mein besonderer Dank gilt den beiden Herausgebern, Archivdirektor Dr. Stefan Nöth, Leiter des Staatsarchivs Bamberg, und Archivoberrat Dr. Klaus Rupprecht, die diese Chronik und die dazugehörige Ausstellung initiiert und mit großer Professionalität umgesetzt haben. Herzlicher Dank gebührt den beteiligten Historikern und Archivaren, denen es nach aufwändiger Recherche gelungen ist, Leben und Schaff en der 24 Präsidenten anschaulich aufzubereiten. Besonders freut es mich, dass mein Vorgänger, Regierungspräsident a.D. Hans Angerer, als Autor für seine eigene Amtszeit gewonnen werden konnte.

Ich wünsche allen Lesern eine interessante und erkenntnisreiche Lektüre.

Wilhelm Wenning
Regierungspräsident

Wer in Oberfranken kennt heute noch die Namen von Melchior von Stenglein, Otto von Strößenreuther oder Dr. Ludwig Gebhard, obwohl sie als Regierungspräsidenten die Geschicke Oberfrankens in schwierigen Zeiten mit Geschick und Tatkraft leiteten? Wer weiß schon, aus welchem Sammelsurium an früheren Territorien sich der heutige Regierungsbezirk Oberfranken eigentlich zusammensetzt, obwohl bis heute – wenn auch überlagert durch erzwungene wie freiwillige Migrationsbewegungen – deutlich unterschiedliche Konfessions-, Wirtschafts-, Sprach- und Mentalitätsräume in Oberfranken hervortreten? Und schließlich – wer kann schon etwas damit anfangen, wenn von der langen Tradition und der hohen Bedeutung der Regierungsbezirke als Mittelinstanzen und den Regierungspräsidenten als deren Leiter die Rede ist? Und doch ist es diese Behörde, die in vielen Bereichen für die konkrete Durchführung der staatlichen Gesetze und Verordnungen in ihrem Sprengel verantwortlich war und ist. Und es sind deren Leiter, die – obwohl zuvorderst mit der Umsetzung der Weisungen der Staatsregierung beschäftigt – „ihrem“ Regierungsbezirk mit ihrer Persönlichkeit und ihrer Schwerpunktsetzung jeweils ein eigenes Profil verschaffen konnten und können.

Mit dem Buch „Die Präsidenten – 200 Jahre Regierung von Oberfranken in Bayreuth“ möchten die Herausgeber diese Fragen und die von den Autoren dieses Buchs dazu gegebenen Antworten in den Blickpunkt der Öffentlichkeit tragen. Trotz aller Bemühungen der historischen Zunft – erinnert sei v.a. an die von der kürzlich verstorbenen Volkskundlerin Prof. Dr. Elisabeth Roth herausgegebenen vier Bände zur Geschichte Oberfrankens – fehlt noch immer eine politische Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts für unseren Bezirk. Dazu einen Beitrag leisten zu wollen, gehört zu den Zielen dieses Buchs.

Das Jahr 2010 bietet dafür den idealen Anlass. Ende Juni 2010 jährt es sich zum 200. Mal, dass das preußische – kurzzeitig französische – Fürstentum Bayreuth und mit ihm die Residenzstadt wie die Amtsstädte Kulmbach, Hof und Wunsiedel samt zugehörigen Regionen bayerisch wurden. In Abänderung der infolge der Konstitution von 1808 erfolgten ersten Kreiseinteilung in Bayern entstand 1810 eine Verwaltungseinheit, die räumlich wie institutionell Grundlage des heutigen Regierungsbezirks wurde, auch wenn dieser damals noch Mainkreis hieß und dessen Leiter Generalkreiskommissär genannt wurde. Mit dem Ankauf und der Eingliederung des Fürstentums Bayreuth 1810 verlor Bamberg, dessen ehedem geistliches Territorium bereits seit 1802/03 zu Bayern gehörte, seine Funktion als Verwaltungsmittelpunkt. Nicht zuletzt aufgrund geographischer Gesichtspunkte wurde Bayreuth zur Hauptstadt des Mainkreises – seit 1817 Obermainkreis, seit 1838 Oberfranken – und damit zum Sitz der Regierungsbehörde und seines Präsidenten bestimmt.

Dem Buch liegt die Idee zu Grunde, die 200-jährige Geschichte des Regierungsbezirks Oberfranken im Spiegel der Biographien seiner Spitzenbeamten – der Generalkreiskommissäre und Regierungspräsidenten – zu beleuchten. 13 Archivare und Historiker konnten gewonnen werden, um sich der schwierigen und aufwändigen Arbeit zu unterziehen, den beruflichen Werdegang und die Leistungen der – schließt man die Jahre 1933 bis 1948 mit ein – insgesamt 24 Regierungspräsidenten seit 18101 nachzuspüren, ihr Wirken in Bezug zu den großen politischen und gesellschaftlichen Entwicklungslinien des 19. und 20. Jahr hunderts zu bringen, aber auch jene Felder ihrer konkreten Verwaltungstätigkeit hervorzuheben, in welchen sie bleibende Spuren hinterließen. Da in den wenigsten Fällen wissenschaftliche Literatur zu den einzelnen Personen vorhanden war, liegen allen Artikeln zum Teil umfassende Archivrecherchen zu Grunde, wobei immer wieder festzustellen war, dass allein die Heranziehung der in aller Regel im Bayerischen Hauptstaatsarchiv überlieferten Personalakten nicht ausreichte, um sich ein Bild über das Wirken der einzelnen Personen in ihrem Sprengel zu verschaffen. Insofern war es treffend, dass die Arbeiten an diesem Projekt vom Staatsarchiv Bamberg als dem für den Regierungsbezirk Oberfranken zuständigen Archiv, in welchem die Unterlagen der Regierung einen zentralen Bestand bilden, initiiert und vorangetrieben wurden. Dass man sich dabei an einem für Oberbayern bereits vollzogenen Projekt orientierte, darf an dieser Stelle ruhig zugegeben werden.2

Zum besseren Verständnis des Hauptteils dieses Buchs – den Präsidentenbiographien – führen zwei umfangreiche Artikel in die wechselvolle Geschichte des Regierungsbezirks Oberfranken ein. Rainer Hambrecht spürt unter dem Leitmotiv „Integration durch staatliche Organisation“ dem räumlichen Werden und der behördlichen Durchdringung des Regierungsbezirks im noch neuen Staatsbayern des 19. Jahrhunderts nach. Werner K. Blessing widmet sich der wechsel- und leidvollen Geschichte Oberfrankens in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts aus dem Blickwinkel der Gesellschafts- und Mentalitätsgeschichte, die gerade für Oberfranken wertvolle Einblicke sowohl für die Kriegsjahre, die sorgenvollen Jahre der Weimarer Zeit wie das Unrechtsregime der NS-Zeit gewähren. Anschließend gewährt er Einblicke in wichtige Entwicklungsschritte Oberfrankens „zwischen Trümmerzeit und Wiedervereinigung“. Um die Geschichte der Regierungspräsidenten in Oberfranken zu verstehen, ist es zudem von Vorteil, den konkreten Ort ihres Wirkens und die Geschichte ihrer Institution zu verfolgen. Günter Dippold beschäftigt sich in zwei sich ergänzenden Beiträgen mit diesen Themen und stellt damit nicht nur den behördlichen Rahmen des Handelns der Regierungspräsidenten vor, sondern zeigt auch deren Selbstverständnis – zum Beispiel anhand des zu Beginn des 20. Jahrhunderts errichteten Präsidialbaus mit den harmonischen Jugendstilräumen – auf.

Mit dem Buchprojekt ist auch eine Wanderausstellung verbunden, die inhaltlich auf den hier vorliegenden Texten aufbaut. Sie wird ab dem Jubiläumstag, dem 30. Juni 2010, in der Regierung von Oberfranken präsentiert und soll dann durch den Regierungsbezirk wandern. Beide Projekte konnten nur durch das vielfältige Engagement der beteiligten Autoren verwirklicht werden. Hierfür sind die Herausgeber zu Dank verpflichtet. Für die finanzielle Unterstützung bedanken wir uns bei der Oberfrankenstiftung, der Generaldirektion der Staatlichen Archive Bayerns, dem Sparkassenbezirksverband Oberfranken und der Regierung von Oberfranken.

Dr. Stefan Nöth
Dr. Klaus Rupprecht

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1 Außer Acht gelassen wird hier die kurze Periode des ersten Mainkreises von 1808–1810, zu welchem vor allem die Gebiete des alten Hochstifts Bamberg, des mediatisierten reichsritterschaftlichen Adels sowie später unterfränkische Gebiete um Zeil am Main und Schweinfurt (ehemalige Reichsstadt) gehörten und dem Stephan Frhr. von Stengel als Generalkreiskommissär vorstand.
2 Vgl. das Werk: Die Regierungspräsidenten von Oberbayern im 19. und 20. Jahrhundert, hg. im Auftrag des Regierungspräsidenten Werner-Hans Böhm durch Stephan Deutinger, Karl-Ulrich Gelberg und Michael Stephan, München 2005.

BayVBl: Dr. Paul Beinhofer, Regierungspräsident von Unterfranken in Bayerische Verwaltungsblätter - BayVBL.1/2011 - Zeitschrift für öffentliches Recht und öffentliche Verwaltung, 142. Jahrgang, ISSN 0522-5337, Richard Boorberg Verlag, München

» IFB: Joachim Lilla in: Informationsmittel (IFB)-digitales Rezensionsorgan für Bibliothek und Wissenschaft

» ZBLG: Daniel Goltz in: Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte, Band 74, Heft 3 (2011), S. 932 f.