Heimatverein Reicher Ebrachgrund e.V.

Materialien Reicher Ebrachgrund
Heimatkundliche Sonderschriften Band 6

Schloss Weingartsgreuth

Eine baugeschichtliche Untersuchung

Autoren:
Dipl.-Ing. (FH) Bernd Marr M.A. (Einbandgestaltung)
Dipl.-Ing. Markus Aumer M.A.
Dipl.-Rest. Carolin Genkinger M.A.
Dipl.-Ing. Roland Hümmer M.A.

2007. Heimatverein Reicher Ebrachgrund e.V.,
Mühlhausen
180 Seiten, diverse Abbildungen, Festeinband.

ISBN 978-3-933623-12-6

VK 19,00 EUR

 


Unterschiedliche Methoden der Bauforschung, angefangen von der zeichnerischen Bauaufnahme über verschiedene restauratorische Untersuchungen bis hin zu zielgerichteter archivalischer Forschung werden in dem vorliegenden Band vereint, um der Baugeschichte eines außergewöhnlichen herrschaftlichen Baus in Franken näher zu kommen.

 

 

Am östlichen Rand des nördlichen Steigerwalds, nahe der an der Autobahn A3 gelegenen Raststätte Steigerwald und unweit des sogenannten Dreifrankensteins, dort, wo sich die drei bayerischen Regierungsbezirke Mittel-, Ober- und Unterfranken treffen, liegt Weingartsgreuth. Erstmals aktenkundig wurde Weingartsgreuth mit Datum vom 28. März 1357 im Lehenbuch Gerlachs von Hohenlohe.

Früher eine eigenständige Gemeinde und ein Rittergutsdistrikt im hochstiftisch-bambergischen Centamt Wachenroth, gehörte es, nach dem Übergang an Bayern 1803, ab 1808 zum Landgericht Höchstadt/Aisch und besaß bis 1848 ein eigenes Patrimonialgericht. Seit 1978 ist Weingartsgreuth in die Marktgemeinde Wachenroth (Landkreis Erlangen-Höchstadt, Regierungsbezirk Mittelfranken) eingemeindet und zählt heute als Gemeindeteil zirka 310 Einwohner.

Noch 650 Jahre nach seiner ersten Nennung kann man den Charme dieses ritterschaftlichen Ortes erspüren. Unüber­sehbar, in der Mitte des Dorfes, steht das Schloss. Zu ihm gehören der herrschaftliche Garten, ein Uhrturm, die Schlosskirche, ein stilvoll renoviertes Amtshaus und der Schlossweiher.

Die wohl mit einem Vorgängerbau („adelige Wohnung der Marschalk von Ebneth“) bereits im letzten Viertel des 16. Jahrhunderts begonnene und Anfang des 18. Jahrhunderts als „neuer Baukörper“ erstellte Schlossanlage ist eine architektur­historische Rarität. Die Besonderheit des Weingartsgreuther Schlosses und die bisher unzureichenden Angaben zur Entstehung seiner Architektur ließen eine eingehende Erforschung wünschen.

Mit dem vorliegenden Buch findet die umfassende wissen­schaftliche Gemeinschaftsarbeit seiner vier Autoren einen vorläufigen Abschluss. Die Drucklegung hat unser Heimat­verein gerne im Sinne einer heimatkundlichen Investition gefördert. Den Autoren und der schlossbesitzenden Familie von Seckendorff-Witzleben ist zu danken.

Franz F. Kachler
(1. Vors. Heimatverein Reicher Ebrachgrund)

Einleitung
1 Forschungsstand
2 Besitzverhältnisse 
2.1 Herren von Lauffenholz 
2.2 Marschalk von Ebneth
2.3 Freiherren von Seckendorff Aberdar
3 Baubeschreibung
3.1 Lagebeschreibung
3.2 Aufriss
3.3 Grundriss
4 Aufmaßerstellung
4.1 Messsystem
4.1.1 Horizontal
4.1.2 Vertikal
4.1.3 Händische Aufmaßmethoden
4.1.4 Dachwerk
4.1.5 Obergeschosse
4.1.6 Schnitte
4.2 Ergebnis Aufmaß
5 Auswertung der Pläne: detaillierte Baubeschreibung
5.1 Konstruktionsbeschreibung
5.2 Geschossbeschreibung
5.2.1 Kellergeschoss
5.2.2 Erdgeschoss
5.2.3 Erstes Obergeschoss
5.2.4 Zweites Obergeschoss
5.2.5 Dachwerk
5.3 Ausstattungsdetails
5.3.1 Fensterläden
5.3.2 Fenster
5.3.4 Türen
5.3.3 Stuckdecken
5.3.4 Böden
5.3.5 Treppenanlage
6 Ergänzende Untersuchungen
6.1 Dendrochronologie
6.2 Abbundzeichenkartierung
6.3 Befunduntersuchung
6.3.1 Fassungsuntersuchung
6.3.2 Putz/Fugenmörteluntersuchung
6.3.3 Fundamentschürfungen
6.3.4 Fassadenuntersuchung
7 Geschichtliche Quellen
7.1 Archiv
7.2 Plan- und Bildmaterial
8 Ergebnis
8.1 Baugeschichte und Bauablauf
8.2 Angaben zu den am Schlossbau beschäftigten Personen
8.3 Stilgeschichtliche Einordnung
9 Ausblick und weitere Fragestellungen
Abbildungsverzeichnis
Quellenverzeichnis
Literaturverzeichnis

Trotz der Nähe zu Städten wie Ansbach, Nürnberg und Bamberg und dem guten Anschluss über die Autobahnausfahrten Höchstadt-Nord und Schlüsselfeld befindet sich Schloss Weingartsgreuth seit einigen Jahrzehnten in einer Art „Dornröschenschlaf“. Der Besucher findet ein Gebäudeensemble vor, welches einen anschaulichen Eindruck herrschaftlicher Architektur aus vergangener Zeit vermittelt. Beim Versuch, mehr über Gebäude und dessen Geschichte zu erfahren, stößt man in der Literatur auf sehr unterschiedliche, zum Teil sogar widersprüchliche Aussagen. Beispielsweise wird Schloss Weingartsgreuth als „(...) 3gesch.bar. Baublock (um 1728)“1 beschrieben. Ein Ortschronist widerspricht und behauptet, es sei ,,(...)ein Irrtum (...) von einem barocken Baublock um 1728 zu schreiben(...)“2, dann liest man bei Georg Dehio von einem zweigeschossigen Bau3 und in der Denkmalliste von einem „Kern von 1574“4.
Es entsteht zwar ungewollt, aber dennoch zwangsläufig ein falsches Bild von Schloss Weingartsgreuth. Die vorliegende Arbeit hat es sich zum Ziel gemacht, den bisherigen Wissensstand über das Schloss zu hinterfragen und wenn nötig, richtig zu stellen.
Dazu soll der zur Zeit nicht bewohnte Nordflügel des Schlosses in Form einer detaillierten zeichnerischen Bauaufnahme mit Grundrissen für jedes Stockwerk und Schnitten dokumentiert werden. Ebenso gilt es, Details herauszuarbeiten, die baukonstruktive Besonderheiten zeigen. Die hier vorliegende schriftliche Ausarbeitung dokumentiert die Zeichnungen und wertet diese aus.
Daneben soll versucht werden, mit Hilfe einer dendro-chronologischen Untersuchung absolute Aussagen zur Bauzeit des Gebäudes und eventuellen Hölzern von Vorgängerbauten zu machen. Restauratorische Untersuchungen geben Aufschluss über relative Aussagen zur Bauzeit und über den Bauablauf, zum anderen sollen die Informationen von einzelnen Befundstellen und Befundkomplexen Erkenntnisse zu Material und Konstruktion bringen. Zusätzlich begleitet die Auswertung des umfangreichen Archivmaterials5 die Befunduntersuchungen.

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1 Mayer, Heinrich: Die Kunst des Bamberger Umlandes, Bayerische Verlagsanstalt GmbH, Bamberg 1955, S. 284 f.
2 Zenkel, Georg: Die Baugeschichte des Weingartsgreuther Schlosses, Aus: Heimatbote aus dem Reichen Ebrachgrund, 2. Auflage, Hrsg. Heimatverein Reicher Ebrachgrund, 1989, S. 39
3 Dehio, Georg: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Bayern I: Franken. Zweite, durchgesehene und ergänzte Auflage, Deutscher Kunstverlag, München 1999, S.1092
4 Denkmalliste des Landkreises Erlangen-Höchstadt, Stand 05.07.1999
5 Staatsarchiv Bamberg, Schlossarchiv Weingartsgreuth

NN: Andrea Rudolph, Mehr als Pflichtaufgabe. Geschichte von Schloss Weingartsgreuth als Buch. Nürnberger Nachrichten, 07.05.2007 Lokal Seite 4 / B2

FT: Evi Seeger, Lesbare Baugeschichte. Forschungsarbeit: Denkmalpflege-Studenten bringen ein Buch über das Schloss Weingartsgreuth heraus. FRÄNKISCHER TAG, MONTAG, 7. MAI 2007 /C