Die "gute" Policey im Reichskreis - Band VII

WKR B12

ISBN 978-3-940804-06-8

Band VII
Policeyordnungen in den Reichsstädten Nürnberg, Rothenburg, Schweinfurt,
Weißenburg und (Bad) Windsheim

herausgegeben von Wolfgang Wüst
Redaktion: Marina Heller

2015. Festeinband
1040 Seiten, diverse Abbildungen

Vk 58,00 EUR

Abbildungen auf dem Umschlag

Buchvorstellung

Der siebte Band der „guten“ Policey eröffnet dem Leser eine große Auswahl interessanter wissenschaftlich edierter Quellen. So finden sich neben klassischen Policeyordnungen Handwerks-, Kirchen- und Kleiderordnungen, Bettel- und Feuerpräventionen oder städtische Instruktionen zu Hochzeiten, Taufen und Todesfällen. Aber auch spezielle Personengruppen stehen im Fokus „guter“ Policey, unter anderem Gastwirte, Köche, Metzger, Bäcker und Krämer. Die Beispiele zeigen bereits, dass sich insgesamt ein buntes Bild zu den unterschiedlichsten Lebensbereichen ergibt. Der räumliche Schwerpunkt der Edition liegt auf den Gebieten der ehemaligen Reichsstädte Nürnberg, Rothenburg o.d. Tauber, Schweinfurt, Weißenburg und Windsheim. Zeitlich manifestieren die Ordnungen die fränkische Stadtgesellschaft insbesondere im 16., 17. und 18. Jahrhundert.

Der Blick von „unten“ ist bewusst gewählt, um längst verlorene Welten wieder sichtbar zu machen. Die Vielfalt der in den einzelnen Ordnungen thematisierten Lebensbereiche ermöglicht einen eindrucksvollen Blick hinter die Kulissen der „großen“ Geschichte.

Über den Herausgeber: Prof. Dr. Wolfgang Wüst ist seit 2000 Inhaber des Lehrstuhls für Bayerische und Fränkische Landesgeschichte an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Seine Forschungsgebiete liegen im Bereich der Kultur- und Landesgeschichte vom Mittelalter bis zur Moderne.

Vorwort
Einleitung
Editionsprinzipien

Quellenteil
1. Übergreifende Policeyordnungen (8 Ordnungen)
2. Wirtschaft und Handel (16 Ordnungen)
3. Handwerk (19 Ordnungen)
4. Hochzeit, Taufe und Begräbnis (8 Ordnungen)
5. Bekleidung (4 Ordnungen)
6. Wirtshaus, Musik und Glücksspiel (5 Ordnungen)
7. Armut, Bettel- und Almosenwesen (9 Ordnungen)
8. Spital- und Schulwesen (2 Ordnungen)
9. Gesundheitswesen (4 Ordnungen)
10. Infrastruktur, Hygiene- und Bauvorschriften (9 Ordnungen)
11. Wald und Markung (4 Ordnungen)
12. Landwirtschaft (3 Ordnungen)
13. Dorf- und Gemeindewesen (2 Ordnungen)
14. Gesindewesen, Schutzverwandten- und Vormünderpflicht (2 Ordnungen)
15. Feuer (5 Ordnungen)
16. Öffentliche Sicherheit (7 Ordnungen)
17. Kriminal- und Gerichtswesen (4 Ordnungen)

Quellenverzeichnis
Literaturverzeichnis
Glossar
Orts- und Personenregister
Sachregister
Verzeichnis der Bearbeiter

PDF-ICON _ Titelei und Inhaltsverzeichnis

Die süddeutschen Reichsstädte erlitten nach ihrer handelspolitischen Blütezeit im 15. und 16. Jahrhundert meist als Folge der Depression während des Dreißigjährigen Kriegs – er traf vor allem die Städtelandschaft mit Einquartierungen, Angriffen und wiederkehrenden epidemischen Pestwellen mit voller Wucht – und des Aufstiegs territorialer und fürstenstaatlicher Residenzstädte nach dem Westfälischen Frieden im Absolutismus einen Niedergang. Zur gleichen Zeit erstarrten die reichsstädtischrepublikanischen Verfassungssysteme, die seit den Reformen Kaiser Karls V. in der Regel von einer ständig kleiner werdenden patrizischen Oberschicht mehr schlecht als recht regiert wurden. In den reichsstädtischen Republiken herrschte unter Ausschluss der Handwerker und der Zünfte eine Oligarchie, die auf dem Weg zu ihrer Aristokratisierung vitale alte Handelsinteressen vernachlässigte. Es entstand der Eindruck einer in sich geschlossenen und meist untätigen Stadtoligarchie, in der Ämterkauf, Günstlingswirtschaft und Inzest das Gemeinwohl, das bonum commune beschädigten. Es entstand das Bild des schlafenden Bürgermeisters. Friedrich von Lupin bemerkte als Sohn eines reichsstädtischen Kanzleidirektors in Memmingen 1794 dazu treffend: „Man bemerkt überall das Festsitzen im Alten und das Festhalten am Alten. In dem Schlafsessel, in welchem der Urgroßvater gestorben, erwartet seine Herrlichkeit, der Herr Bürgermeister v. S. von Tag zu Tag, schon zehn Jahre lang, die letzte Stunde.“1

Um diese vordergründigen Bewertungen zu korrigieren, war es absolut notwendig, sich intensiver mit der Gesetzgebung und „guten Policey“ aus reichsstädtischen Republiken näher zu befassen. In der Auswahl zu fränkischen Reichsstädten konnte dies an repräsentativen Beispielen umgesetzt werden. Dort gab es wie kaum in anderen süddeutschen Ländern als Folge des hohen Regelungsbedarfs früher Ballungsräume zwischen dem ausgehenden 15. und dem beginnenden 19. Jahrhundert eine beeindruckende legislative Entfaltung und gesetzgeberische Kontinuität. Sie galt es, als Lese- und Editionstexte zu erfassen und in den Diskurs einzuordnen, um den Stellenwert der Städte in der Vormoderne zu eruieren. Wir erstellten einen Policey-Corpus in repräsentativer Quellenauswahl, das – kommentiert und ediert – hoffentlich die Chance nutzen wird, die vorhandene dichte Beschreibung für neue Fragestellungen zu öffnen. Mit dem nun vorliegenden siebten Band der Reihe „Die ‚gute‘ Policey im Reichskreis“ lassen sich vielleicht künftig auch Fragen nach der regionalen Rezeption zivilisatorischer Errungenschaften zuverlässiger und quellennäher beantworten.

Es ist mir eine angenehme Pflicht, allen denen zu danken, die unser Editionsprojekt „Policeyordnungen in den fränkischen Reichsstädten Nürnberg, Rothenburg o.d. Tauber, Schweinfurt, Weißenburg und (Bad) Windsheim“ logistisch und finanziell unterstützt haben. Die Kosten für Recherchen, Redaktion und Drucklegung wurden finanziell gefördert durch die Staedtler-Stiftung in Nürnberg, die Forschungsstiftung Bayerische Geschichte in München, die Friedrich Freiherr von Haller’sche Forschungsstiftung in Nürnberg, die und den Lehrstuhl für Bayerische und Fränkische Landesgeschichte an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Mein herzlicher Dank richtet sich an Frau Marina Heller M.A., die das stets zeitaufwändige Lektorat des gesamten Bandes kenntnisreich übernahm und die Arbeiten am Glossar und den Registern tatkräftig begleitete. Sie engagierte sich weit über das übliche Maß hinaus. Bei den Redaktionsarbeiten wurde Frau Heller unterstützt von Katja Böger M.A., Melanie Watzer, Rebekka Berg, Till Wagner, Johannes Knoblach und Joachim Peters.

Bei der Quellenerfassung und Transkription halfen ferner insbesondere Frau Hiromi Abe, Frau Susanne Bohn M.A., Frau Katja Böger M.A., Herr Archivoberrat Dr. Daniel Burger, Staatsarchiv Bamberg, Herr Stefan Dirnberger, Herr Jesko Graf zu Dohna M.A., Leiter des Fürstlich Castell’schen Archivs, Herr Jan Dovica, Herr Alexander Estel M.A., Herr Jonas Geissler M.A., Herr Daniel Goltz M.A., Frau Sabrina Grünewald M.A., Herr Werner Herdegen, Kurator des Adelsarchivs in Kunreuth, Frau Regina Hindelang M.A., Frau Caroline Kochherr, Herr Oberstudienrat Hans- Martin Kühl, Herr Rektor i.R. Detlef Kühl, Herr Dominik Leugering M.A., Frau Claudia Löffler M.A., Frau Christine Naber, Herr Oberstudienrat PD Dr. Christof Paulus, Herr Joachim Peters B.A., Frau Magdalena Prechsl B.A., Frau Nicole Riedel, Herr Tobias Riedl M.A., Herr Oberstudiendirektor i.R. Dr. Otto Spälter, Herr Wolfgang Stephan, Frau Elena Vassilieva, Herr Michael Wollny und Frau Sabine Wüst B.A. Am Lehrstuhl selbst unterstützte das Projekt ferner in vielfältiger Weise Frau Brigitte Platzer.

Editionen sind natürlich auf die Hilfe zahlreicher Archive und Bibliotheken angewiesen. Hier gilt es in erster Linie den beratenden Archivaren des höheren und des gehobenen Dienstes im Staatsarchiv in Nürnberg sowie in den Stadtarchiven Nürnberg und Schweinfurt. In der Universitätsbibliothek Erlangen, der Bayerischen Staatsbibliothek in München und in der Sächsischen Landesbibliothek-, Staats- und Universitätsbibliothek in Dresden wurde zudem allen unseren Bestellwünschen stets korrekt nachgegangen.

Schließlich danke ich Frau Sigrid Strauß-Morawitzky in Stegaurach für die erneute zuvorkommende Buchbetreuung und die Aufnahme in das Programm des Wissenschaftlichen Kommissionsverlags sowie der Vier-Türme-GmbH in Münsterschwarzach für die schnelle und zuverlässige Ausführung des Drucks. Schließlich bin ich allen oben genannten Quellenbearbeitern – sie wurden auch im Impressum alphabetisch gereiht – für die zeitnahe Abgabe ihrer Texte sehr verbunden; dies war schließlich der entscheidende Schlüssel zum Erfolg. Ich wünsche dem siebten Band unserer Quellenreihe wiederum eine gute Aufnahme in Forschung und Lehre.

Wolfgang Wüst

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1
Friedrich Freiherr von Lupin, Selbst-Biographie, 2 Bde., Weimar 21847, hier: Bd. 1, S. 296 f.; Rita Huber-Sperl, Memmingen zwischen Zunfthandwerk und Unternehmertum. Ein Beitrag zur reichsstädtischen Gewerbegeschichte 1648–1802 (Memminger Forschungen 5), Memmingen 1995.

» Reinhard Seyboth in sehepunkte (ISSN 1618-6168), Rezensionsjournal für die Geschichtswissenschaften, Ausgabe 16 (2016), Nr. 9, [15.09.2016]; URL: http://www.sehepunkte.de/2016/09/27954.html