Die "gute" Policey im Reichskreis - Band V

» zurück

WKR B07

ISBN 978-3-940804-03-7

Band V
Policeyordnungen in den Markgraftümern Ansbach und Kulmbach-Bayreuth

herausgegeben von Wolfgang Wüst
redaktionelle Mitarbeit Regina Hindelang und Tobias Riedl

2011. Festeinband
722 Seiten

VK 58,00 EUR

Abbildung auf dem Umschlag

Der nunmehr fünfte Band der „guten“ Policey eröffnet dem Leser wieder eine große Auswahl interessanter, wissenschaftlich edierter Quellen. So finden sich neben der klassischen Policeyordnung ebenfalls Bettel- und Feuerordnungen oder landesherrliche Instruktionen zu Hochzeiten, Taufen und Todesfällen. Aber auch spezielle Personengruppen stehen im Fokus „guter“ Policey. Es sind dies u.a. Gastwirte, Köche, Metzger, Bäcker und Krämer.

Die Beispiele weisen bereits darauf hin, dass sich insgesamt ein buntes Bild zu den unterschiedlichsten Lebensbereichen ergibt. Der räumliche Schwerpunkt der Edition liegt auf den Gebieten der ehemaligen Hohenzollern-Markgraftümer um Ansbach und Kulmbach-Bayreuth. Zeitlich manifestieren die Ordnungen die fränkische Gesellschaft insbesondere im 17. und 18. Jahrhundert.

Der Blick von „unten“ ist bewusst gewählt, um längst verlorene Welten wieder sichtbar zu machen. Die Vielfalt der in den einzelnen Ordnungen thematisierten Lebensbereiche ermöglicht einen eindrucksvollen Blick hinter die Kulissen der „großen“ Geschichte.

Vorwort
Einleitung
Editionsprinzipien

Quellenteil
1. Brandenburgische Halßgerichtsordnung von 1516
2. Marggreuische Waldtordnung [30.06.1531] / In jrer fürstlichen gnaden furstenthumb vnterhalb des Gebürgs
3. Dorfordnung Blaubach, 1563
4. Consistorialordnung [21.01.1594]
5. Hochfürstl[ich] Brandenburg[ische] ambts ordnung de anno 1608
6. New verfaste Cantzleÿ Ordnung [1617]
7. Newe Fewer Ordnung [20.11.1651]
8. Mühlenordnung 1662
9. Revidirte Feuer-Ordnung [1672]
10. Policey-Ordnung, 1672
11. Hochzeit-Ordnung [01.10.1680]
12. Dorfordnung Brettenfeld, 1687
13. Ordnung wegen verdaechtiger landstreiner und bettler [ca. 1700]
14. Verneuerte und vermehrte Brandenburgische Hebammen-Ordnung [03.09.1711]
15. Policey-Ordnung von 1714
16. Hochfürstlich[e] Brandenburg-Onolzbachische Feuer-Ordnung de anno [01.03.]1715
17. Hoch-Fuerstliche Brandenburg-Onolzbachische Verordnung [24.04.1720]
18. Neue Ordnung [24. Juni 1720]
19. Hoch-Fuerstl[iches] Brandenburg-Onolzbachisches Neues Canzley-Reglement, [12.03.1730]
20. Hoch-Fuerstl[iche] Brandenburg-Onolzbachische Kriegs-ARTICUL[i] [20.02.1731]
21. Bettel-Ordnung [02.08.1731]
22. Instruction und Ordnung [08.10.1731]
23. Der Hochfuerstlichen Residentz-Stadt Bayreuth Revidirte Feuer-Ordnung. [1732]
24. Strafordnung 15.05.1732
25. Einleitung des Poenal-Patents des Fraenckischen Creyses, 28.05.1732
26. Hochzeiten- Kind-Tauff - Leichen- und Trauer- Reglement [27.11.1733]
27. Hochzeiten- Kind-Tauff- Leichen- und Trauer-Reglement. [1738/1739]
28. Neue Allmosen-Ordnung in der Hoch-Fuerstl[ich] Brandenburgischen Residenz-Stadt Onolzbach, Anno [20.09.] 1741
29. Neu revidierte und verbesserte Policey-Ordnung [1746]
30. Instruction für Land- und Feldvermesser [1746]
31. Hochfuerstliches Gnaedigst-confirmirtes Reglement [1757]
32. Policey-Reglement vom 31.12.1759
33. Reglement, die Gastwirthe, Gahrkoeche, Bier- und Wein-Schenken, Me[t]zger, Becken Kaufleute und Kraemer betreff. 08.01.1760
34. Policey-Deputation [13.02.1776]
35. Getreide-Ordnung vom 21.10.1785

Quellenverzeichnis
Literaturverzeichnis
Glossar
Orts- und Personenregister
Sachregister
Autorenverzeichnis

Am traditionsreichen landeshistorischen Lehrstuhl der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg hatte eine auf Editionen gestützte Kulturgeschichte, wie sie gerade über Policeyordnungen erschlossen und illustriert werden kann, schon immer Konjunktur. Methodisch gesehen ist sie ein Spiegelbild fein gegliederter fränkischer Territorialität. Politische und dynastische Strukturen konnten in einem territorium non clausum nie die ausschließlichen Wegbereiter historischer Betrachtung sein. Die vielherrige politische Landschaft Süddeutschlands vor dem Napoleonischen Zeitalter – dies gilt neben Franken gleichermaßen aber auch für Schwaben und die Oberpfalz – bietet ein ideales Terrain, um beispielsweise prägende Gesetzesinhalte und normative Leitlinien für menschliches Handeln in Forschung und Lehre weiter zu vertiefen. Dabei gilt es, konsequent den typischen, regionalen Merkmalen zu folgen, um landeshistorischen Projekten unserer Tage in einer global veränderten und zugleich kaum noch diversifizierten Bildungslandschaft ihren Stellenwert zu sichern. Eine editionsgesteuerte Analyse grenzüberschreitender Vorschriften, Mandate und Gesetze als Normenmodell für die Lebenswelt unserer Vorfahren, das im Staaten- oder Städteverband, in informellen Interessensgemeinschaften, in Friedensbündnissen, in Zünften, im örtlichen Kulturkreis oder eben im Reichkreis präziser und effektiver umgesetzt wurde als im machiavellistischen Machtstaat, bietet Chancen, gerade die politische Ohnmacht kleinräumiger Herrschaft kulturell zu relativieren. Es braucht dann nicht den Exkurs in die Wirtschaftsgeschichte und den verklärten Blick auf eine Neue Institutionen-Ökonomik (NIÖ), um die gegebene territoriale Konkurrenzsituation als Chance für die Forschung zu sehen. Eine an weitläufige Normenentwicklungen angebundene Kleinheit erfährt so nicht nur eine eigenständige Größe, sondern ihr kommt eine neue, flexible und zugleich grenzüberschreitende Variabilität zu.

Trotzdem galt es gegenüber den grenzüberschreitenden Perspektiven, wie sie in den ersten drei Bänden des Quellenwerks vorgestellt wurden, die territorialen Muster im Entwicklungsprozess „guter Policey“ nochmals an einem repräsentativen Beispiel zu überprüfen. Hierfür wählten wir die Markgraftümer der fränkischen Hohenzollern mit ihren beiden Landesteilen: Ansbach (Unterland) und Kulmbach-Bayreuth (Oberland). Dort begann man früher als andernorts, die Idee des frühmodernen Flächenstaates konzeptionell und variabel zu konkretisieren. Ungewohnte Grenzziehungen und administrative Verdichtung stärkten das Territorium. Seit der Reformation wurden sie ergänzt durch landeskirchliche Konfessionsprogramme, die auch in der Policey ihr landesweites Sprachrohr fanden. Die territoriale Perspektive dieses nun vorliegenden fünften Quellenbandes hebt sich ferner ab von der im vierten Band untersuchten Sichtweise lokaler Policey, wie sie sich in ländlichen Rechtsquellen und Dorfordnungen darstellte.

Es ist mir eine angenehme Pflicht, all jenen zu danken, die unser Editions projekt „Policeyordnungen in den Markgraftümern Ansbach und Kulmbach-Bayreuth“ logistisch und finanziell unterstützt haben. Die Kosten für Recherchen, Redaktion und Drucklegung wurden finanziell getragen durch die Staedtler-Stiftung in Nürnberg, die Forschungsstiftung Bayerische Geschichte, die Oberfranken-Stiftung in Bayreuth, die Unterfränkische Kulturstiftung in Würzburg, den Kulturausschuss des Bezirks Mittelfranken und den Lehrstuhl für Bayerische und Fränkische Landesgeschichte an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Mein herzlicher Dank richtet sich an Herrn Tobias Riedl M.A. in Schwabach und Frau Regina Hindelang M.A. in Burgau, die das zeitaufwändige Lektorat des Bandes einschließlich der Erstellung des Glossars und der Register kenntnisreich übernahmen und die sich dabei weit über das übliche Maß hinaus engagierten. Das gilt und galt auch für Herrn Werner Herdegen, der als Erlanger Seniorstudent größere Editionsteile stets zuverlässig lektorierte. Bei der Quellenbeschaffung halfen ferner insbesondere Herr Alexander Estel M.A., Herr Friedhelm Gleiß M.A., Herr Daniel Goltz M.A., Frau Marina Heller M.A., Herr Rektor i.R. Detlef Kühl, Herr Dominik Leugering, Herr Dr. Otto Spälter und Herr Wolfgang Stephan. Am Lehrstuhl selbst unterstützen das Projekt zudem in vielfältiger Weise Frau Brigitte Platzer, Herr PD Dr. Andreas Otto Weber M.A., Frau Annika Höft und Frau Caroline Kochherr.

Editionen sind natürlich auf die Hilfe zahlreicher Archive und Bibliotheken angewiesen. Hier gilt es in erster Linie den beratenden Archivaren des höheren und des gehobenen Dienstes in den Staatsarchiven Bamberg und Nürnberg, den Stadtarchiven Ansbach, Kitzingen, Kulmbach und Bayreuth und dem Archiv Kauern dorf der oberfränkischen Gemeinde Ködnitz zu danken. Herr Dr. Manfred Jehle, Verfasser des Historischen Atlasbandes Ansbach, ließ uns außerdem aus der Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz in Berlin wichtiges Quellenmaterial vor allem zur Spätzeit der Hohenzollern-Herrschaft in Franken zukommen. In der Universitätsbibliothek Erlangen wurde zudem allen unseren Bestellwünschen stets korrekt nachgegangen.

Schließlich danke ich Frau Sigrid Strauß-Morawitzky in Stegaurach für die erneute zuvorkommende Buchbetreuung und die Aufnahme in das Programm des Wissenschaftlichen Kommissionsverlags sowie der Rosch-Buch Druckerei in Scheßlitz für die schnelle und zuverlässige Ausführung des Drucks. Im Editionswerk wurde damit ein Verlagswechsel (bisher Akademie Verlag, Berlin) vollzogen, da bei unserem territorialen Anliegen die regionale Präsenz des Buchvertriebs auch von Vorteil sein kann. Schließlich bin ich allen Quellenbearbeitern – sie wurden im Impressum alphabetisch gereiht – für die zeitnahe Abgabe ihrer Texte sehr verbunden; dies war schließlich der entscheidende Schlüssel zum Erfolg. Ich wünsche dem Band eine gute Aufnahme in Forschung und Lehre und lege mich heute noch nicht fest, ob die Reihe der „guten“ Policey im Reichskreis nun abgeschlossen ist. Einige Rezensenten regten ja auch an, die süddeutsche Perspektive eines Tages zu erweitern.

HZ: Karl Härter in Historische Zeitschrift, BAND 298, 2014, NEUE HISTORISCHE LITERATUR / BUCHBESPRECHUNGEN FRÜHE, NEUZEIT, Seite 200 f., Oldenbourg Wissenschaftsverlag

MIÖG: Josef Pauser in Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung 121/1, 26.2.2013, Literaturberichte – Rezensionen, Seiten 146 - 148, Oldenbourg Wissenschaftsverlag

ZBLG: Peter Claus Hartmann in Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte, Band 75, Heft 3 /2012, Seite 927 f.

VSWG: Reinhard Seyboth in Vierteljahrschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte, 99. Band, Heft 4 (2012), S. 491 f., ©Franz Steiner Verlag, Stuttgart